
Ein weiterer Castor-Transport mit Atommüll aus Jülich ist in der Nacht auf Mittwoch im Zwischenlager Ahaus angekommen.
Der Transport verlief ohne Zwischenfälle, wurde aber von Protesten entlang der Strecke begleitet. Es war der zweite Transport dieser Art, der erste fand Ende März statt.
Insgesamt sollen in den nächsten Monaten noch 152 Behälter nach Ahaus gebracht werden.
Anti-Atom-Inititativen wollen Aufklärung zur Verpätung
Der zweite Castor-Konvoi mit den hochradioaktiven Brennelementen ist am Dienstagabend in Jülich erst mit rund 90 Minuten Verspätung gestartet.
Grund war eine technische Panne bei der Stromversorgung des Lastwagens.
Die deutschen Anti-Atomkraft-Initiativen wie Stop Westcastor aus Jülich fordern jetzt von der Landesregierung Aufklärung über den Vorfall. Sie wollen wissen, wer die nächtliche Reparatur durchgeführt und freigegeben hat.
Gegen den Castor-Transport ist wieder an mehreren Orten protestiert worden - unter anderem mit einer Mahnwache vorm Forschungszentrum Jülich.
Weitergehende Infos der Anti-Atom-Initiativen:
„Was genau war an dem Castor-LKW defekt? Wer hat den Schaden am späten Abend tatsächlich behoben? Warum wurde nicht bis Tagesanbruch gewartet, um eine gründliche Untersuchung durchzuführen? Wer hat die nächtliche Reparatur im Freien letztlich abgenommen – der TÜV, eine Vertragswerkstatt oder einfach nur der Transporteur Orano? Was wäre passiert, wenn der Schaden auf der Autobahn erneut aufgetreten wäre – hätte der Castor-Transport dann mitten auf der Autobahn stehen bleiben müssen? Wer hat letztlich grünes Licht für die Abfahrt aus Jülich kurz vor Mitternacht gegeben – das NRW-Wirtschaftsministerium, die Polizei oder die JEN? Gab es politischen Druck von der JEN, aus Düsseldorf oder aus Berlin, dass der Castor-Transport unbedingt noch in der Nacht stattzufinden habe? Es gibt viele Fragen, für die wir aus dem für die Atomaufsicht zuständigen NRW-Wirtschaftsministerium nun klare, ausführliche und rasche Antworten erwarten“, so Marita Boslar vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ Jülich und Heiner Möllers von der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ in einer gemeinsamen Stellungnahme.
Die Initiativen erinnern daran, dass schon der Anschluss des ersten Castors an die Behälter-Überwachung im Zwischenlager Ahaus Ende März eine Woche gedauert habe, weil sich laut Betreiberin BGZ „die Abläufe noch einspielen“ müssten. Dabei hätte die BGZ immer betont, man habe mit genau diesem Castor-Typ besonders viel Erfahrung in Ahaus. Und Ende 2023 kam es bei einem Probetransport zu einer ungewöhnlichen Panne: Damals verlor der noch unbeladene Castor-LKW laut NRW-Innenministerium „den Sichtkontakt“ zur vorausfahrenden Polizeikolonne und bog deshalb im Autobahnkreuz Kaiserberg falsch ab. Danach hätte die NRW-Landesregierung sieben Monate gebraucht, um die Panne einzugestehen.
Die Initiativen erwarten jetzt, dass die Landesregierung wesentlich schneller für Aufklärung sorgt.
Auch beim zweiten Castor-Transport habe sich gezeigt, dass die 152 Castor-Behälter mit den knapp 300.000 hochradioaktiven Brennelementkugeln aus Jülich nur unter massivem Polizeieinsatz über die Autobahnen transportiert werden können. Es seien jeweils Tausende Polizisten im Einsatz und es verwundere deshalb nicht, dass die Kosten für die beiden bisherigen Polizeieinsätze bislang von der NRW-Landesregierung geheim gehalten würden. Doch noch immer stünden 150 Castor-Behälter in Jülich – und in diesem Tempo werde die Verlagerung selbst in Dreier-Konvois nicht vor 2030 abgeschlossen sein, obwohl die Transportgenehmigung nur bis Mitte nächsten Jahres gültig ist. Aber auch die Lagergenehmigung im Zwischenlager Ahaus gelte nur bis 2036. Danach tue sich bis zur Errichtung eines Endlagers eine jahrzehntelange, bislang völlig genehmigungslose Lücke bei der Atommüllentsorgung in NRW auf.