
Zuckerindustrie: NGG droht mit Warnstreiks ab April
Veröffentlicht: Mittwoch, 20.03.2024 09:06
Wir hier in der StädteRegion nehmen alle zusammen im Durchschnitt jedes Jahr über 18.600 Tonnen Zucker pro Jahr zu uns - und jeder einzelne 91 Gramm am Tag. Umgerechnet auf Würfelzucker wäre das pro Jahr ein Berg von 6,2 Milliarden Stück, teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit.
Sie fordert jetzt für die heimische Zuckerindustrie - also vor allem für rund 330 Beschäftigten bei Pfeifer & Langen in Jülich - ein Lohn-Plus von 9,8 Prozent. Azubis sollen monatlich 190 Euro mehr bekommen.
Die Arbeitgeber hätten bisher 4 Prozent mehr Lohn plus einmalig 1.000 Euro angeboten. Das reicht nach Ansicht der Gewerkschaft nicht, um die Inflation auszugleichen. Und im Sog der Inflation hätte die Zuckerindustrie die Preisspirale nach oben geschraubt - und dadurch ein enormes Umsatzplus und satte Gewinne eingefahren.
Davon hätten zwar auch die Zuckerrübenbauern der Region profitiert – vor allem aber Pfeifer & Langen selbst, so die NGG. Wenn die Arbeitgeber nicht "deutlich mehr in die Lohntüten packen", würden ab April Warnstreiks in allen Zuckerwerken drohen. Und als Folge daraus müsse sich die Lebensmittelindustrie auf einen „Zucker-Engpass“ einstellen.
„Das hätte dann Folgen für eine ganze Palette an Produkten, die ohne Zucker nicht funktionieren: von der Schokolade über die Marmelade bis zur Limonade“, sagt Tim Lösch, der Geschäftsführer der NGG Aachen. Am 27. März steht die dritte Tarifrunde an. Dann entscheide sich, ob die Zuckerindustrie bereit sei, beim Lohn nachzulegen, heißt es.
Bisher berichtet die NGG von guten Erfahrungen mit der Pfeifer & Langen KG, wenn es beispielsweise in puncto faire Arbeitsbedingungen um die Kooperation mit der Unternehmensleitung gegangen sei. Umso unverständlicher sei, dass die Arbeitgeber jetzt – nach satten Gewinn-Jahren – beim Lohn-Plus so stark auf die Bremse treten.
Insgesamt sei die heimische Zuckerindustrie ein wichtiger Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor für die Region – gerade auch die Landwirtschaft. Sie biete gute soziale, ökologische und ökonomische Pluspunkte gegenüber importiertem Rohrzucker. „Der wird nämlich – vor allem was den Arbeitsschutz und die Bezahlung angeht – unter teilweise abenteuerlichen Bedingungen hergestellt", so Lösch.