
Uniklinik: Zungenschrittmacher gegen Schlafstörungen
In der RWTH-Uniklinik ist erstmals ein Zungenschrittmacher implantiert worden.
Den Zungenschrittmacher haben Ärzte der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde sowie Kopf- und Hals-Chirurgie im Rahmen einer "Hypoglossus-Stimulationstherapie" eingesetzt. Damit wird die schlafbezogene Atmungsstörung namens "obstruktive Schlafapnoe (OSA)" behandelt.
Bei der OSA erschlaffen die Zungenmuskulatur und das umliegende Gewebe während des Schlafens. Durch das Zurückfallen der Zunge werden die oberen Atemwege verschlossen und die Atmung setzt für mehr als zehn Sekunden aus. Der damit einhergehende Sauerstoffmangel führt zu häufigen Aufwachreaktionen während der Nacht. Bleibt eine OSA unentdeckt und wird nicht therapiert, kann sie schwerwiegende gesundheitliche Schäden mit sich bringen.
Bisher ist die Behandlung dieser Atmungsstörung mithilfe einer Atemmaske im Rahmen der CPAP-Therapie gelaufen. Damit kommen Betroffene im Alltag aber nicht zurecht, weil die Maske zu unerwünschten Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Mundtrockenheit führen kann.
„Bei der Operation wird ein Implantat eingesetzt, das durch einen atemsynchronen leichten Stromimpuls des Unterzungennervs wichtige Zungenmuskeln stimuliert. Die Zunge bewegt sich somit beim Einatmen etwas nach vorne und macht dort Platz, wo sich die Atemwege sonst verengen“, sagt Priv.-Doz. Dr. med. Miguel Goncalves, Oberarzt an der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie und Leiter des Zungenschrittmacher-Programms. Die damit verbundenen Atemaussetzer bleiben aus und die Patientinnen und Patienten können nachts ungehindert atmen.
Weltweit hat man schon mehr als 15.000 Betroffene erfolgreich mit der modernen Therapiemethode behandelt können.
Veröffentlicht: Montag, 15.11.2021 09:53