
Stromaustausch mit Belgien: "ALEGrO" in Betrieb
Veröffentlicht: Montag, 09.11.2020 13:53
Mit einer symbolischen Zeremonie im Aachener Rathaus ist am Montag die erste Stromverbindung zwischen Deutschland und Belgien in Betrieb gegangen.
"ALEGrO" heißt sie, das steht für „Aachen Lüttich Electricity Grid Overlay“.
Verantwortlich dafür sind der deutsche Übertragungsnetzbetreiber Amprion und die belgische Elia Group.
An dem Festakt haben auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Belgiens Energieministerin Tinne van der Straeten und Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen teilgenommen. Außerdem haben Bundeskanzlerin Merkel und Belgiens Premierminister de Croo Grußwörter geschickt.
ALEGrO verbindet erstmals das deutsche und das belgische Stromnetz direkt. Die 90 Kilometer lange Erdkabelstrecke zwischen den Umspannanlagen Oberzier im Rheinland und Lixhe in der Wallonie kann 1.000 Megawatt Leistung übertragen - das entspricht dem Stromverbrauch einer Stadt mit einer Million Einwohnern.
ALEGrO trage maßgeblich dazu bei, dass die europäischen Energiemärkte weiter zusammenwachsen, heißt es. Das erleichtere die Integration erneuerbarer Energien in das Stromsystem, erschließe günstige Stromquellen für die Verbraucher und stärke die Versorgungssicherheit in beiden Ländern sowie die wirtschaftliche Attraktivität der Region Aachen-Köln.
Die Konverterstationen an den Endpunkten der Leitung wandeln Wechselstrom in Gleichstrom um und umgekehrt. Das Kabel hat auf deutscher Seite eine Länge von rund 40 Kilometern.
Ab dem 18. November 2020 steht die Verbindung dem europäischen Strommarkt zur Verfügung (Day-Ahead). Danach gehen ab dem 8. Dezember 2020 die Intraday-Kapazitäten an den Markt. Die Vergabe von Langfristkapazitäten startet Anfang 2021.
Stimmen zu ALEGrO:
Bundeskanzlerin Angela Merkel:
„Wie die Energiewende gelingt, hängt also entscheidend von einem zügigen Ausbau und einer stärkeren Digitalisierung der Netze ab. Dabei ist die neue Stromverbindung zwischen Belgien und Deutschland nicht allein für unsere beiden Länder von Bedeutung, sondern auch für den Stromhandel und die Versorgungssicherheit in Europa insgesamt. Insofern ist der heutige Tag auch ein guter Tag für den Energie-Binnenmarkt.“
Alexander De Croo, Premierminister Belgien:
„ALEGrO ist ein wichtiger Wegbereiter für nachhaltige Energie. Deutschland und Belgien haben hinsichtlich der Energieerzeugung die gleichen strategischen Entscheidungen getroffen, nämlich den Verzicht auf die Kernenergie und die vollständige Nutzung klimaneutraler Energiequellen. ALEGrO verkörpert vor Ort die Verbindung zwischen diesen beiden Strategien.“
Tinne Van der Straeten, Energieministerin Belgien :
„Wir begrüßen dieses Projekt, denn es bereitet uns auf die Zukunft vor – eine Zukunft, die von neuen Möglichkeiten und neuen Sichtweisen auf unsere Gesellschaften geprägt sein wird: In der Europa mit Hilfe des European Green Deal bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent sein wird. ALEGrO ist ein wichtiger Schritt zur Entwicklung einer gemeinsamen Zukunft für unsere Länder.“
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet:
„Der Klimawandel und die Energiewende stellen uns vor Herausforderungen, die wir nur gemeinsam in Europa meistern können. ALEGrO ist ein wichtiger Schritt zur Vertiefung des europäischen Strombinnenmarktes, eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende und ein Fortschritt in Richtung nachhaltige Versorgungssicherheit in beiden Regionen. ALEGrO ist ein Meilenstein für die grenzüberschreitende Stromversorgung. Die neue Strombrücke verbindet auf 90 Kilometern Länge Nordrhein-Westfalen und Belgien und damit auch Europa auf ganz neue Weise. Gerade in heutigen schwierigen Zeiten freut es mich, die Einweihung dieses Erfolgsprojekts für Europa vorzunehmen.“

