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RWTH-Studie: Tankrabatt wäre "der falsche Ansatz"
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RWTH-Studie: Tankrabatt wäre "der falsche Ansatz"

Veröffentlicht: Montag, 09.03.2026 10:56

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Aufgrund der Preisentwicklung beim Benzin wird aktuell über einen staatlichen Tankrabatt diskutiert - der wäre laut einer neuen RWTH-Studie aber der falsche Ansatz.

Ein Tankrabatt könnte vor allem Haushalte mit höherem Einkommen zwar kurzfristig entlasten, gleichzeitig verursache die Maßnahme aber auch hohe Kosten für den Staat und würde den Spritverbrauch wieder steigen lassen, steht in der Studie des Lehrstuhls für Energiesystemökonomik.

Denn Gutverdienende verbrauchen im Durchschnitt mehr Kraftstoff. Während Haushalte im obersten Einkommensdezil monatlich rund 20 Euro im Monat sparen würden, läge die Entlastung im untersten Einkommensdezil im Durchschnitt nur bei etwa 6 Euro. 

„Die gestiegenen Preise an der Zapfsäule stellen für viele private Haushalte eine spürbare Belastung dar. Ein Tankrabatt zur Entlastung wäre jedoch sowohl aus ökonomischer als auch aus sozialpolitischer Sicht der falsche Ansatz“, sagt Professor Aaron Praktiknjo (Foto unten), der Inhaber des RWTH-Lehrstuhls für Energiesystemökonomik..

Relativ zum Einkommen falle die Entlastung für Haushalte mit niedrigeren Einkommen zwar etwas größer aus. Insgesamt würde ein Tankrabatt jedoch nur eine sehr geringe Veränderung der Einkommensverteilung bewirken. Nach den Berechnungen der Autoren würde der Gini-Koeffizient – ein Maß für Einkommensungleichheit – nur um etwa 0,007 Prozent sinken. 

Gleichzeitig wären mit der Maßnahme erhebliche fiskalische Kosten verbunden. Den Simulationen zufolge würde ein Tankrabatt staatliche Ausgaben von rund 480 Millionen Euro pro Monat verursachen. 

Neben den Verteilungswirkungen zeigen die Ergebnisse auch Effekte auf das Nachfrageverhalten. Die vorher beobachteten Rückgänge im Kraftstoffverbrauch infolge hoher Preise würden durch eine staatliche Preisreduktion teilweise wieder rückgängig gemacht. Der Kraftstoffverbrauch im privaten Verkehr würde entsprechend wieder steigen. 

„Ein Tankrabatt senkt den Preis fossiler Energie und schwächt damit das klimapolitische Preissignal. Gleichzeitig erreicht er bedürftige Haushalte nur begrenzt und entlastet vor allem Haushalte mit hohem Einkommen“, so Karl Seeger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl.

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RWTH-Studie: Tankrabatt wäre "der falsche Ansatz"
© Martin Braun
Professor Aaron Praktiknjo, Inhaber des RWTH-Lehrstuhls für Energiesystemökonomik.
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