
Im früher militärisch genutzten Propsteier Wald in Eschweiler entsteht in Zusammenarbeit mit Behörden des Bunds ein Naherholungsgebiet.
Eschweilers Bürgermeisterin Nadine Leonhardt und die SPD-Bundestagsabgeordnete Claudia Moll haben am Donnerstag dort einen neuen Rundwanderweg in einem Teil des Gebiets für die Öffentlichkeit freigegeben (Foto unten).
Die "Konversion" soll Naturschutz, erneuerbare Energien und Naherholung miteinander verknüpfen. Eschweilers Bürgermeisterin Leonhardt nennt die Öffnung des Propsteier Walds ein "Geschenk für die Stadt Eschweiler".
Die freigegebenen Routen des Rundwanderwegs sind mit 200 blauen Pfählen ausgewiesen. Weil auf der gesamten Liegenschaft abseits der Wege noch Kampfmittel und Munitionsreste liegen könnten, gilt ein strenges Wegegebot. Die Gefahrensituation und das Betretungsverbot werden auf mehr als 260 Warnschildern erklärt. Außerdem liegen die Wege in vertretbarer Entfernung zu störungsempfindlichen Tier- und Pflanzenarten.
Bisher hat man im Propsteier Wald schon alte Gebäude abgerissen, die Verkehrssicherheit hergestellt, einen Standort für erneuerbare Energien ausgewiesen und den Wald für die Bevölkerung und weitere Renaturierung geöffnet. Künftig müssen alle Gebäudegrundplatten entsiegelt und nicht mehr benötigte Straßen und Wege zurückgebaut werden. Weitere rund zehn Hektar im Zentrum sollen als naturschutzfachlich wertvolles Offenlandbiotop erhalten und gepflegt werden. Darüber hinaus wurden rund zehn Kilometer Zaun zurückgebaut, um Wildtieren ungehindertes Wandern zu ermöglichen, Biotope und Lebensräume zu vernetzen und das Verletzungsrisiko zu minimieren.
Von den Renaturierungsmaßnahmen ausgenommen bleibt eine etwa vier Hektar große Beton-Fläche an der Glücksburg. Sie soll künftig als Fundament für eine Freiflächen-Photovoltaikanlage dienen, die innerhalb des nächsten Jahres etwa 3.000 Megawattstunden Strom jährlich liefert und damit rund 1.000 Haushalte im Jahr mit Strom versorgen kann.
Ein Teil des Baumbestands im Propsteier Wald ist sehr alt und bietet außergewöhnliche Habitate. Ob Abendsegler, Schwarzspecht oder Biber – sehr viele seltene Arten haben dort ein Refugium gefunden. Für die Wildkatze ist der Propsteier Wald vermutlich der nordwestlichste Verbreitungsraum in Deutschland. Im Hinblick auf mögliche Fledermausvorkommen sind doppelwandige Gebäudeverkleidungen vorsichtshalber händisch zurückgebaut worden und man hat spezielle „Fledermaushotels“ an verschiedenen Stellen gebaut.
Infos zur Historie des Geländes:
Noch im Zweiten Weltkrieg war der Propsteier Wald Schauplatz heftiger Kampfhandlungen. Mit Einzug der belgischen Gaststreitkräfte, die hinter massiven Zäunen ein großes Munitionsdepot errichteten, wurde es bereits deutlich ruhiger im „Camp Reine Astrid“, das 1995 endgültig als Militärstandort ausgedient hatte. In den vergangenen Jahrzehnten entwickelte sich das rund 375 Hektar große Areal innerhalb der militärischen Zäunung aus naturschutzfachlicher Sicht zu einem kleinen Juwel. Nach der Stilllegung der Militärfläche gingen die Stadt Eschweiler und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) eine Kooperation ein - mit drei Zielen: Erhalt und Optimierung des wertvollen Naturraums, die Öffnung von ungefährlichen Teilbereichen des Walds für die Erholungsnutzung sowie die Entwicklung eines Standorts für erneuerbare Energien.
