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NGG: Mehr Kontrollen beim Fleisch!
© NGG Aachen
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NGG: Mehr Kontrollen beim Fleisch!

Bei der Schlachtung und Zerlegung von Fleisch herrscht seit Jahren ein knallharter Preiskampf, sagt die Gewerkschaft NGG in Aachen. Wohin dieser Preiskampf führen kann, würden jetzt die Corona-Ausbrüche in Coesfeld und anderen Schlachthöfen zeigen.

Der Gesundheitsschutz der Beschäftigten sei bei den Ramsch-Angeboten offenbar nicht eingepreist, „vom Tierwohl ganz zu schweigen“, so die Gewerkschaft. Sie fordert deswegen nicht nur einmalige, sondern regelmäßige Kontrollen der Fleisch-Beschäftigten durch die Gesundheitsämter.

Hier in der Städteregion Aachen beschäftige die Fleischwirtschaft 70 Menschen, in ganz NRW arbeiten knapp 30.000 Beschäftigte in der Branche – die osteuropäischen Werkvertragsarbeitnehmer in Subunternehmen nicht mitgerechnet.

Nach Informationen der NGG hat die Arbeitsbelastung in den Schlachthöfen im Zuge der hohen Fleischnachfrage des Einzelhandels zuletzt stark zugenommen. 12-Stunden-Schichten seien in vielen Betrieben gang und gäbe. Es treffe vor allem die Werkvertragsbeschäftigten aus Osteuropa, die über Subunternehmen angestellt sind. Die lange, körperlich harte Arbeit in der Schlachtung und die Zerlegung geschlachteter Tiere mache die Menschen anfälliger für Erkrankungen und schwäche ihre Widerstandskraft. Auch das sei ein Aspekt, der bei Covid-19-Infektionen nicht unter den Tisch fallen dürfe.

Hinzu komme die Unterbringung. „Während überall Abstandsregeln und Kontaktsperren gelten, wohnen in den Gemeinschaftsunterkünften oft bis zu sechs Osteuropäer in einer 60-Quadratmeter-Wohnung. Dafür ziehen die Subunternehmer dann aber jedem Einzelnen auch noch 250 Euro vom ohnehin kargen Lohn ab“, sagt Diana Hafke, Geschäftsführerin der NGG-Region Aachen.

Die Gewerkschaft fordert die Fleischhersteller dazu auf, den Gesundheitsschutz „absolut ernst“ zu nehmen. Sie stünden in der Verantwortung, auch bei ihren Subunternehmen für faire Arbeitsbedingungen und eine ordentliche Unterbringung zu sorgen.

„Dabei ist klar: Sicherheit ist nicht zum Nulltarif zu haben. Dumpingpreise können schon deshalb nicht funktionieren. Fleisch darf keine Ramschware sein – nicht in normalen Zeiten und schon gar nicht in der Pandemie“, so Hafke.

Um die Zustände in der Fleischwirtschaft dauerhaft zu verbessern, müssten aus Werkverträgen reguläre Jobs werden – bezahlt zu einem fairen Branchenmindestlohn, so die NGG. „Außerdem brauchen wir eine bessere Nachunternehmerhaftung, damit prekäre Arbeitsbedingungen und unwürdige Unterkünfte auch beim letzten Subunternehmen ausgeschlossen sind“, betont Hafke.


www.ngg.net

Veröffentlicht: Dienstag, 12.05.2020 08:08

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