
NGG-Kritik an Fleischindustrie
Für die Mitarbeiter in der Fleischbranche hier bei uns fordert die Gewerkschaft NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten) bessere Arbeitsbedingungen.
Rund 70 Menschen arbeiten in der StädteRegion Aachen in der Schlachtung und Fleischverarbeitung.
Bei Schwerpunktkontrollen im letzten Oktober hat das Arbeitsministerium in 85 Prozent der geprüften Betriebe teils gravierende Verstöße festgestellt – vom fehlenden Arbeitsschutz bis hin zu extremen Arbeitszeiten. Darunter würden besonders oft Beschäftigte aus osteuropäischen Ländern wie Bulgarien oder Rumänien leiden, so die NGG. Die Menschen würden mit dem Versprechen guter Löhne gelockt – und hier dann regelrecht ausgebeutet.
Die Gewerkschaft berichtet von gefälschten Stundenzetteln, um unbezahlte Überstunden zu vertuschen, von zugestellten Notausgängen und Unterkühlung in der Fleischzerlegung. Hinzu komme, dass vielen auch noch ein Großteil des Lohns für eine überteuerte Unterkunft und für Verpflegung abgezogen werde.
Hauptursache für diese Zustände sei das System der Werkverträge. Dabei wird der Mitarbeiter für eine bestimmte Tätigkeit wie beispielsweise die Zerlegung einer festen Menge von Rindern bezahlt. Dabei sei Missbrauch an der Tagesordnung.
In Betrieben, die mit mehr Stammpersonal arbeiteten und sich an Tarifverträge hielten, habe es kaum Beanstandungen gegeben.
Die Gewerkschaft NGG ruft die NRW-Fleischindustrie daher auf, sich zu Tarif- und Sozialstandards zu bekennen. Die Landesregierung müsse die Branche genau im Blick behalten und Schlachthöfe sowie verarbeitende Betriebe regelmäßig kontrollieren.
Außerdem solle das Arbeitsministerium eine kostenlose Rechtsberatung für ausländische Beschäftigte anbieten – in ihrer Muttersprache.
Aber auch die Verbraucher und der Handel seien gefragt. Ein Kilo Hähnchenschenkel für zwei Euro – das gehe einfach nicht. Mit solchen Preisen sei keine Arbeit möglich, von der man leben könne - und erst recht kein Tierwohl...
Veröffentlicht: Montag, 16.03.2020 08:17