
NGG: Fachkräfte wandern ab
Den Hotels und Gaststätten in der Städteregion laufen die Fachkräfte weg.
Laut der Gewerkschaft NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten) haben im letzten Jahr rund 1.750 Köche, Servicekräfte und Hotelangestellte hier bei uns dem Gastgewerbe den Rücken gekehrt – das ist mehr als jeder sechste Beschäftigte der Branche. Und angesichts weiterer Lockdowns bis in den Mai hinein dürfte sich der Personal-Schwund bis heute nochmal zugespitzt haben.
Daher fordert die NGG bessere Arbeitsbedingungen in Hotels und Gaststätten. Denn ausgerechnet jetzt in der Sommersaison fehle einem Großteil der Betriebe schlicht das Personal, um die Gäste bewirten zu können, die nach langen Entbehrungen kommen.
Für die Lage macht die Gewerkschaft besonders die Einkommenseinbußen durch die Kurzarbeit verantwortlich. Gastro- und Hotel-Beschäftigte würden eh meist zu geringen Löhnen arbeiten - und wenn die gut ausgebildeten Fachkräfte in Anwalts- oder Arztpraxen die Büroorganisation übernehmen oder in Supermärkten zwei Euro mehr pro Stunde verdienen als in Hotels und Gaststätten, dürfe es niemanden überraschen, dass sich die Menschen neu orientierten. Schon vor Corona habe das Gastgewerbe nicht gerade für rosige Arbeitsbedingungen gestanden. Unbezahlte Überstunden, ein rauer Umgangston und eine hohe Abbruchquote unter Azubis seien nur einige strukturelle Probleme. Die Unternehmen hätten es über Jahre versäumt, die Arbeit attraktiver zu machen. Das räche sich jetzt, kritisiert die NGG.
Wirte und Hoteliers hätten nun die Chance, die Branche neu aufzustellen. Zwar seien viele Firmen nach wie vor schwer durch die Pandemie getroffen. Doch wer künftig überhaupt noch Fachleute gewinnen wolle, müsse jetzt umdenken und sich zu armutsfesten Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen bekennen. Dazu seien Tarifverträge unverzichtbar.
Am Ende gehe es um einen Kulturwandel. Auch Servicekräfte hätten ein Recht darauf, vor dem Dienst zu wissen, wann Feierabend ist. Sie hätten Anspruch auf eine anständige Bezahlung – unabhängig vom Trinkgeld. Und auf eine faire Behandlung durch den Chef.
Gastronomen, die das Mittagessen so günstig anböten, dass sie davon das Personal nicht mehr bezahlen könnten, machten ohnehin grundsätzlich etwas falsch. Viele Gäste seien durchaus bereit, ein paar Cent mehr für die Tasse Kaffee zu bezahlen – gerade jetzt, wo den Menschen bewusst geworden ist, dass der Besuch im Stammlokal ein entscheidendes Stück Lebensqualität ist.
Veröffentlicht: Dienstag, 06.07.2021 08:20