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Misereor: Sorge um Lage in Westafrika
© Pixabay/Roberto Vi
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Misereor: Sorge um Lage in Westafrika

Veröffentlicht: Dienstag, 06.02.2024 09:26

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Das katholische Aachener Hilfswerk Misereor ist besorgt wegen der Lage in Westafrika.

Dort haben die Militärregierungen von Mali, Niger und Burkina Faso ihren Austritt aus der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS angekündigt.

Diese Entscheidung schwächt nach Ansicht von Misereor die Region. Sie spalte zunehmend den afrikanischen Kontinent und ebne den Weg für Rivalitäten zwischen ausländischen Mächten auf afrikanischem Boden, heißt es.

Misereor fordert, dass die Krise, die durch die Ankündigung ausgelöst wurde, durch Dialog, Verhandlungen und Zusammenarbeit gelöst wird.

(Foto: Dorfleben in Burkina Faso)


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Weitere Hintergründe dazu:

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Die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS (Economic Community Of West African States) wurde 1975 mit dem Ziel gegründet, die wirtschaftliche Zusammenarbeit in Westafrika zu fördern. Die Gemeinschaft hat sich laut Misereor zu einer treibenden Kraft der wirtschaftlichen und politischen Integration in der Region entwickelt. Sie nimmt zunehmend eine aktive Rolle als Friedens- und Sicherheitsakteur ein. 

Misereor-Regionalreferent Raoul Bagopha befürchtet schlimme Folgen für ganz Westafrika, wenn der Rückzug in Kraft tritt: „Spannungen zwischen Nachbarstaaten, deren wesentliche Interessen eng miteinander verbunden sind, werden wiederaufleben. Die erforderliche Solidarität zwischen den Staaten im Kampf gegen Terrorgruppen wird zum Leidwesen der Zivilbevölkerung noch weiter untergraben. Wichtige Freiheiten, an die sich die Bevölkerung trotz aller Unzulänglichkeiten gewöhnt hatte, wie der freie Waren- und Personenverkehr, sind bedroht“, warnt Bagopha.

Der Rückzug werde auch als Abkehr von der westlichen Welt gewertet. Die drei Länder würden nicht zuletzt den Ländern Europas zunehmend misstrauen, sie gingen auf Distanz zu ehemaligen Kolonialmächten wie Frankreich. Die Beziehungen zu Russland, das die Fehler und Schwäche des Westens geschickt ausnutzt, würden sie stärken.

Die Militärregierungen in Burkina Faso, Mali und Niger werfen laut dem Misereor-Experten westlichen Ländern vor, die koloniale Logik nicht aufgeben zu wollen und die ECOWAS zu benutzen, um ihren Einfluss in der Region aufrechtzuerhalten und auszuweiten. Sie vermuteten hinter den harten Sanktionen, die die ECOWAS nach Staatsstreichen über ihre Länder verhängt hat, westliche Mächte. Die Sanktionen folgten insbesondere nach den Staatsstreichen von 2020 in Mali und 2023 in Niger.

„Die Krise, die der angekündigte Austritt ausgelöst hat, ist zwar in erster Linie eine regionale und afrikanische Angelegenheit, verdeutlicht aber auch, wie dringend es ist, die Beziehungen zwischen Afrika und der westlichen Welt neu zu gestalten“, schlussfolgert Bagopha. Die Neugestaltung müsse auf Basis der Ablehnung kolonialer Mentalitäten aufbauen und dürfe koloniale Wunden nicht instrumentalisieren. Bagopha schlägt Grundsätze vor, die die Beziehungen afrikanischer Länder untereinander sowie die Beziehungen zwischen Afrika und dem Westen verbessern können:

•   Bei Konflikten mehr auf Dialog und Überzeugung als auf Sanktionen und Zwang setzen.

•   Zivilgesellschaftliche Kräfte bei der Bewältigung von Krisen einbinden.

•   Doppelmoral bei der Forderung nach Einhaltung von Menschenrechten und Demokratie vermeiden.

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