
Misereor: Menschen in Afghanistan nicht im Stich lassen!
Das Aachener Hilfswerk Misereor hat bei der Vorstellung seiner Jahresbilanz am Donnerstag Bundesregierung und EU aufgefordert, die Menschen in Afghanistan nicht im Stich zu lassen.
Wenn die EU jetzt wolle, dass die Entwicklungshilfe für Afghanistan künftig konditioniert wird, sei das die falsche Maßnahme. Die Misereor-Projektpartner in Afghanistan vor Ort würden alles daran setzen, an der Seite von Frauen und Mädchen zu bleiben und Bildungsprogramme aufrechtzuerhalten.
Misereor unterstützt in Afghanistan aktuell zwölf Projekte mit einem Gesamtvolumen von 7,5 Millionen Euro.
Man müsse mit den Taliban weiterverhandeln und um Menschenrechte, Gewaltvermeidung und zivilgesellschaftliche Freiheit ringen. Nur das könne Grundlage sein für zukünftige Zusammenarbeit. Außerdem müsse eine konstruktive Lösung für die Aufnahme von Flüchtlingen gefunden werden, die das Land verlassen mussten, heißt es.
Auch die Menschen in Haiti bräuchten nach dem schweren Erdbeben die Solidarität und Unterstützung aus Deutschland. Dort stellt Misereor den einheimischen Partnerorganisationen 100.000 Euro an Nothilfe zur Verfügung, um damit die Verletzten und Obdachlosen Menschen zu versorgen. Die Menschen in der betroffenen Region hätten nach dem Hurricane Matthew im Jahr 2016 erneut ihre Lebensgrundlagen verloren und seien auf Unterstützung im Bereich der Gesundheits- und Lebensmittelversorgung ebenso angewiesen wie auf Hilfe bei den Wiederaufbaumaßnahmen. Desweiteren bestehe die Notwendigkeit, das Land in einem politischen Prozess zu unterstützen, der das Land stärke. Dieses Jahr sollen nach der Ermordung des Präsidenten noch demokratische Wahlen stattfinden. Dabei brauche Haiti jede Unterstützung, auch aus Deutschland, damit ein funktionierender Staat Haiti in Zukunft in der Lage sei, auf Naturkatastrophen auch institutionell besser vorbereitet zu sein.
Mit Blick auf die Bundestagswahl im September fordert Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel eine konsequentere Klimapolitik, um das in Paris vereinbarte Klimaziel zu erreichen und so eine globale Zukunft zu ermöglichen. „Immer noch fließen in Deutschland jedes Jahr Milliarden an Subventionen in Technologien und Wirtschafszweige, die dem Klima schaden. Immer noch ist die deutsche Klimapolitik ängstlich und verzagt“, so Spiegel. Mit jedem Zehntelgrad weniger globaler Erderwärmung würden die Folgen für Menschen überall auf der Welt mindestens gelindert.
Misereor hat im vergangenen Jahr mit 66,9 Millionen Euro fast zehn Millionen Euro mehr an Spenden erhalten als noch 2019. Insgesamt standen Misereor 2020 einschließlich der Gelder aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 214,9 Millionen Euro zur Verfügung, die für Projekt-, Advocacy- und Lobbyarbeit in aktuell 87 Ländern Afrikas und des Nahen Ostens, Asiens und Ozeaniens, Lateinamerikas und der Karibik sowie in Deutschland eingesetzt werden. Aktuell unterstützt Misereor mehr als 3000 Projekte, die von fast 1800 Partnerorganisationen umgesetzt werden. Die Aufwendungen für Werbung, Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit hatten im Gesamtetat einen Anteil von 6,3 Prozent.
Veröffentlicht: Donnerstag, 19.08.2021 11:15