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Misereor: Impfstoffe fair verteilen!
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Misereor: Impfstoffe fair verteilen!

Während bei uns die Corona-Impfungen angelaufen sind, müssen die meisten Menschen in Afrika darauf noch Monate oder Jahre warten.

Laut dem katholischen Aachener Hilfswerk Misereor wird außer auf den Seychellen und in Guinea auf dem Kontinent aktuell nirgendwo geimpft. Gleichzeitig nimmt das Infektionsgeschehen in Afrika nach vergleichsweise mildem Beginn stark zu. Zahlen der Afrikanischen Union zufolge sind inzwischen 3,3 Millionen Infektionen erfasst, fast 82.000 Menschen sind an deren Folgen gestorben.

Besonders dramatisch ist die Situation laut Misereor in Südafrika, wo es mittlerweile rund 1,37 Millionen Infizierte gibt und wo in vielen Krankenhäusern die Intensivstationen überfüllt sind. Menschen mit anderen lebensbedrohlichen Krankheiten können nicht mehr ordentlich behandelt werden. Außerdem fehlt oft medizinisches Personal, weil viele Menschen aus den Gesundheitsberufen während der ersten Welle dem Corona-Virus zum Opfer gefallen sind.

Laut Piet Reijer vom Missionsärztlichen Institut (MI) in Würzburg, mit dem Misereor eng zusammenarbeitet, haben in Südafrika im Zuge der Pandemie über drei Millionen Menschen ihre Arbeit verloren. Auf den Straßen häuften sich die Bettler mit Schildern wie "Keine Arbeit, kein Essen, bitte helft mir!“.

Aus der Demokratischen Republik Kongo berichtet die dortige Leiterin der Misereor-Dialog- und Verbindungsstelle, Ursula Kölbel: "Das Gesundheitssystem ist auch ohne Pandemie überfordert. Besonders auf dem Land fehlt es an Infrastruktur, gut ausgebildetem und bezahltem Personal sowie Medikamenten. Mittlerweile sind wenigstens in der Hauptstadt Kinshasa und weiteren großen Städten einige Krankenhäuser mit Beatmungsgeräten ausgestattet." Ohne externe finanzielle Unterstützung werde es sicherlich nicht möglich sein, die erforderlichen technischen Voraussetzungen für das Impfen zu schaffen. Besonders die Kühlung der Impfstoffe werde eine große Herausforderung sein.

Sabine Gies, Ärztin am MI, betont: "Die Pandemie trifft im Kongo ein sowieso schon schwaches Gesundheitssystem, das allerdings im Umgang mit Ausbrüchen infektiöser Krankheiten sehr viel Erfahrung hat. Drei Ebola-Ausbrüche konnten in den letzten drei Jahren glücklicherweise eingedämmt werden. 2020 gab es daneben Ausbrüche von Polio, Masern, Cholera, Pest und Affenpocken. Deren Eindämmung wurde durch die Pandemie stark behindert, die geplante Polio-Impfkampagne mit Tür-zu-Tür-Impfungen musste ausfallen. Auch bei den Basisgesundheitsdiensten gibt es schwere Einbrüche." Schon jetzt decke der Staat nur circa zehn Prozent der Kosten im Gesundheitssektor, 40 Prozent bezahlten die Patienten direkt, die restlichen 50 Prozent würden durch nationale und internationale Geber finanziert. Die zusätzlichen Investitionen seien ohne internationale Hilfe nicht zu stemmen. "Zur nötigen Infrastruktur gehören außerdem Strom und Wasser", unterstreicht Gies. "In den vorhandenen COVID-19-Behandlungszentren in Kinshasa wird immer wieder über Stromausfälle berichtet. Unter diesen Bedingungen sind Beatmungsgeräte lebensgefährlich."

Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel erneuert angesichts der Benachteiligung vieler Länder des globalen Südens bei der Verfügbarkeit von Impfstoffen seine Forderung nach mehr Impfgerechtigkeit und einer fairen und flächendeckenden Verteilung der Impfpräparate. "Die Armgemachten und Verletzlichsten müssen dabei eine Priorität haben", sagt der MISEREOR-Chef und bezieht sich dabei auch auf gleichlautende Forderungen einer COVID-19-Kommission im Vatikan. Papst Franziskus hatte kürzlich an die Regierungen in aller Welt appelliert, der Versuchung eines "Impfnationalismus" zu widerstehen und sie dazu gedrängt, in der Impf-Frage zu kooperieren anstatt zu konkurrieren. Es sei für alle eine moralische Verpflichtung, Impfstoffe als globales Gut zu behandeln. So auch der WHO-Chef Tedros A. Ghebreyesus: "Die Welt steht am Rande eines katastrophalen moralischen Versagens."

Das könne laut Spiegel konkret bedeuten, dass Regierungen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) darin stärken, globale Impfprogramme zu koordinieren und wissenschaftlich zu begleiten sowie Forschungs- und Produktionskapazitäten auch in Afrika aufzubauen. Impfstoff-Hersteller könnten zudem befristet auf Patenteinnahmen verzichten und Gewinne, die über Forschung und Herstellung hinaus gehen, der COVAX-Initiative der WHO zur Verfügung stellen, mit der flächendeckende Impfungen rasch ermöglicht werden sollen.

Veröffentlicht: Freitag, 22.01.2021 10:03

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