
MISEREOR fordert Unterstützung afghanischer Frauen
Anlässlich des Weltfrauentags am Mittwoch appellieren das Aachener Hilfswerk Misereor und der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) an die Bundesregierung, sich weiter für die afghanische Zivilbevölkerung einzusetzen. Dabei solle sie keinen noch so kleinen Spielraum ungenutzt lassen, um insbesondere Frauen zu unterstützen.
Denn die Situation der Menschen in Afghanistan unter dem Taliban-Regime sei desolat.
Misereor und der KDFB begrüßen deswegen den Beschluss der Bundesregierung von Mitte Februar, die im letzten Dezember vorübergehend eingestellten Entwicklungsprojekte für Frauen in Afghanistan wiederaufzunehmen. Außerdem müssten Nothilfen angesichts der humanitären Krise im Land bedingungslos alle erreichen. Auch wenn es äußerst schwierig sei, der Zivilbevölkerung beizustehen, ohne das Unrechtssystem der Taliban zu unterstützen.
Seit Dezember gilt in Afghanistan faktisch ein Beschäftigungsverbot für Frauen in Nichtregierungsorganisationen. Dadurch können Frauen und Mädchen, die nur von Frauen versorgt werden dürfen, nicht mehr angemessen unterstützt werden.
"Die strikte Geschlechtertrennung, die in Afghanistan angeordnet wurde, treibt Frauen und ihre Kinder in den Hunger", beschreibt Afghanistan-Expertin Anna Dirksmeier von Misereor die dramatische Situation. "Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Taliban auf Druck der UN das Berufsverbot für Frauen in der humanitären Hilfe inzwischen aufgehoben haben." Wenn Frauen aufs Haus verwiesen werden und sich nur mit einem männlichen Begleiter in der Öffentlichkeit bewegen dürfen, erhöhe das die Gefahr eklatant, dass sie keine medizinische Versorgung, Bildung oder andere Unterstützung erreicht.
"Das verletzt ihre Rechte massiv", so Dirksmeier. Besonders betroffen seien Witwen, Alleinerziehende sowie Frauen und Mädchen, die innerhalb des Landes flüchten mussten.
KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth betont, dass Frauen, die sich durch ihren Einsatz für Frauenrechte und Demokratie exponiert haben, Schutz durch die Bundesregierung gewährt werden müsse. "Solange das Leben und die Menschenrechte der Zivilbevölkerung nicht geschützt werden, muss es Ausreisemöglichkeiten für gefährdete Afghan*innen geben, insbesondere für afghanische Frauenrechtsaktivistinnen." Das Bundesaufnahmeprogramm der Bundesregierung für Menschen in Afghanistan müsse daher konsequent und zügig umgesetzt werden.
Neben kurzfristiger humanitärer Hilfe sei langfristiges Engagement wichtig, um die wirtschaftliche und humanitäre Krise in Afghanistan zu bewältigen. Dabei sollte ein pragmatischer Ansatz verfolgt werden, ohne aber Zugeständnisse hinsichtlich der Menschenrechte zu machen, heißt es. Ziel müsse sein, die Taliban zur Rücknahme ihrer frauenfeindlichen Entscheidungen zu bewegen. Rote Linien würden überschritten, wenn die Taliban Projektpartner*innen gefährden, Projektmittel abgreifen oder Projekte mit und für Frauen völlig unmöglich machten.
Veröffentlicht: Mittwoch, 08.03.2023 06:02