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Kohlenachfrage schädigt Indigene in Kolumbien
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Kohlenachfrage schädigt Indigene in Kolumbien



Veröffentlicht: Dienstag, 09.08.2022 08:52

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Die Bewältigung der Energieprobleme hier bei uns darf nicht auf Kosten indigener Völker passieren, fordert jetzt das Aachener Werk für Entwicklungszusammenarbeit "Misereor".

So seien beispielsweise die in Kolumbien lebenden Wayuu (Foto) Leidtragende der gestiegenen deutschen Nachfrage nach kolumbianischer Kohle. In ihrer Heimat, dem Bundesstaat La Guajira, befindet sich einer der weltweit größten Steinkohletagebaue namens "El Cerrejón". Gleichzeitig herrscht dort eine große Trockenheit - und für den Kohleabbau ist das Grundwasser abgesenkt worden und sinkt aufgrund des enormen Wasserbedarfs der Mine weiter. Hinzu kommt eine Verschlechterung der Wasserqualität, desweiteren gefährden auch Schwermetalle und Kohlestaub in Luft, Boden und Wasser die Gesundheit der Menschen. Das alles trägt u.a. dazu bei, dass die Kindersterblichkeit unter den Wayuu deutlich über dem landesweiten Durchschnitt liegt.

Am 9. August, dem Tag der indigenen Völker, ruft Misereor die Bundesregierung deswegen zur konsequenten Achtung der Rechte von Indigenen wie den Wayuu auf.

Auf Seiten vieler Misereor-Partner in Kolumbien sei jedoch angesichts des Amtsantritts des neuen sozialdemokratischen Präsidenten Gustavo Petro am 7. August 2022 die Hoffnung groß, dass die kolumbianische Regierung in der bevorstehenden Amtsperiode andere Prioritäten setzt. Hierbei könnte die deutsche Regierung von Beginn an unterstützen. 

Die vermehrte Nutzung von Kohle in Deutschland und die damit verbundene Steigerung der Importe aus Kolumbien statt aus Russland dürfe nicht zu Lasten der Wayuu gehen. Angesichts der Menschenrechtslage müsste die Politik sowohl gegenüber dem kolumbianischen Staat als auch gegenüber dem Betreiber der Mine, dem Schweizer Unternehmen Glencore, klare Auflagen zum Schutz von Menschenrechten betroffener indigener Bevölkerungsgruppen machen, fordert Misereor. Angehörige der Wayuu hätten gegenüber Misereor bestätigt, dass sie über Planungen und Beschlüsse hinsichtlich der Kohlemine zwar informiert würden, aber letztlich keinen wirklichen Einfluss auf diese ausüben könnten.

Wichtig sei in diesem Zusammenhang auch, dass die Bundesregierung beim vereinbarten Kohleausstieg Deutschlands im Jahr 2030 bleibt und die Reduzierung des Abbaus fossiler Rohstoffe weiter forciert. Wird Kohle importiert, müssten Maßnahmen zum Schutz indigener Rechte in umfangreicher Weise umgesetzt werden. Eine konsequente Kontrolle der Anwendung des Lieferkettengesetzes wäre entscheidend. Im aktuellen Bundeshaushalt sei aber keine ausreichende Finanzierung der Kontrollbehörde vorgesehen.

Darüber hinaus habe Deutschland vor kurzem das einzige völkerrechtlich verbindliche Abkommen zum Schutz indigener Völker ratifiziert und damit einen wichtigen Schritt vollzogen: Die ILO-Konvention 169 der internationalen Arbeitsorganisation sieht neben der Verpflichtung zum Schutz indigener Gemeinschaften besonders deren Beteiligung an Entscheidungsprozessen vor. Damit das Wirkung zeigt, bräuchten wir einen Rechtsrahmen und eine ressortübergreifende Strategie. Es sei absolut dringlich, dass die Bundesregierung den Schutz von Menschenrechten und Umwelt in ihre Suche nach alternativen Rohstoffen für die Energiesicherheit integriere.


Hier das Misereor-Spendenkonto:

Pax Bank Aachen /// DE75 3706 0193 0000 1010 10 /// GENODED1PAX

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