
(Update Dienstagmittag, 13:30 Uhr:)
Die RWTH Aachen hat nochmal klargestellt, dass sie die Besetzung eines ihrer Hörsäle durch Klimaaktivisten weiter duldet. Uni-Sprecher Thorsten Karbach hat uns gesagt, man sei im Gespräch mit allen Beteiligten - und aktuell gebe es keinen Anlass für andere Maßnahmen. Die von der Besetzung betroffenen Vorlesungen und Seminare würden verlegt oder digitalisiert, Ausfälle werde es nicht geben.
(Ursprüngliche Meldung:)
Klimaaktivisten von "End Fossil" und "Fridays for Future" besetzen seit Montagabend das Hörsaalgebäude HKW ("Toaster") der RWTH Aachen hinter dem Super C. Sie kritisieren, dass die RWTH Aachen mit fossilen Konzernen zusammenarbeitet.
Anstatt des regulären Lehrbetriebs wird es in dem Hörsaalgebäude in den nächsten Tagen Programm von den Aktivisten geben - unter anderem zu Themen wie Klimagerechtigkeit.
Der RWTH war nach eigenen Angaben bekannt, dass eine solche Besetzung geplant war. Sie duldet die Aktivisten in dem Gebäude.
Weitere Infos zu den Gruppierungen und ihren Forderungen
Die Aktivisten teilen mit, dass sie sich den Schul- und Universitätsbesetzungen anschließen, die in den letzten Wochen weltweit stattfinden. In den nächsten Tagen werde anstatt des regulären Lehrbetriebs Programm von den Aktivisten organisiert. Das soll die Themen Klimagerechtigkeit und damit einhergehende globale Ungerechtigkeiten und koloniale Zusammenhänge in den Fokus rücken - Themen, die an der RWTH nicht den Raum bekämen, den sie verdienten.
"Wir können nicht länger so tun, als wäre alles in Ordnung. Wir sind in einer existenziellen Krise. Das Fenster, um einen Zusammenbruch der Gesellschaft zu verhindern, schließt sich rapide, doch die RWTH arbeitet fröhlich weiter mit fossilen Konzernen zusammen. Eine umfassende globale Betrachtung der Krise fehlt vollkommen. Das können wir nicht länger hinnehmen.", so Maja von "Fridays for Future" Aachen.
Universitäten hätten eine wichtige gesellschaftliche Rolle. Im öffentlichen Diskurs sollten sie wissenschaftliche Fakten einbringen, auf deren Basis Meinungen gebildet und Entscheidungen getroffen werden, heißt es in der Mitteilung weiter.
Im Bereich Klimagerechtigkeit werde die RWTH dieser Aufgabe nicht gerecht. Deswegen stellen die Besetzer auch Forderungen an die Universität. Die Universität soll die Zusammenarbeit mit fossilen Konzernen beenden, die verantwortlich für koloniale Ausbeutung und Klimazerstörung sind. Dazu soll die Universität auch offenlegen, von welchen Konzernen und für welche Vorhaben Drittmittel bezogen werden.
Außerdem müsse Lehre zu Klimagerechtigkeit etabliert werden. Dabei sei es wichtig, globale und soziale Ungerechtigkeiten sowie Betroffenenperspektiven aus dem globalen Süden in den Mittelpunkt zu stellen. Dazu fordern die Aktivisten Module zu Klimagerechtigkeit und Antirassimus für Studierende sowie Dozierende an der RWTH.
"Wir stellen uns nicht gegen Forschung und Lehre, sondern wollen dafür sorgen, dass die wissenschaftliche Erkenntnis endlich ernst genommen wird, dass die RWTH nicht weiter wichtige Aspekte des Klimawandels ausblendet und dem Thema Klimagerechtigkeit die Aufmerksamkeit gibt, die es benötigt. Die Uni muss Kooperationen mit fossilen Konzernen, den Haupttreibern dieser Krise, beenden. Wir brauchen eine Lehre, die anerkennt, dass wir gesellschaftlichen Wandel brauchen, um globale und soziale Ungerechtigkeiten, die durch den Klimawandel verstärkt werden, zu bekämpfen.", so Stella von End Fossil Aachen.