
Vor seiner größten Kläranlage, und zwar der in der Aachener Soers, baut der Wasserverband Eifel-Rur(WVER) einen "Retentionsbodenfilter".
Denn wenn es stark regnet, kann die Kläranlage aus Kapazitätsgründen nicht das ganze Wasser aufnehmen - das läuft dann in ein Regenrückhaltebecken und von da aus in die Wurm.
Der Retentionsbodenfilter, einer der größten Deutschlands, sorgt künftig dafür, dieses Abschlagswasser weitergehend zu behandeln, seinen schwallartigen Abfluss in die Wurm zu drosseln und den Fluss so zu schützen.
Die insgesamt sechs Becken mit einer abwasserdurchlässigen Filterschicht werden ab November gebaut und sollen im März nächsten Jahres fertig sein. Vorher wird der Boden noch auf alte Kampfmittel und archäologische Funde untersucht. Die Kosten für die Maßnahme belaufen sich auf rund 22 Millionen Euro.
(Auf dem Bild hier unter diesem Text seht Ihr, wohin die sechs Becken für den neuen Retentionsbodenfilter kommen - siehe Pfeil)
Hier die ausführliche Erklärung des Wasserverbands Eifel-Rur (WVER):
Die Kläranlage Aachen-Soers reinigt einen großen Teil der kommunalen und gewerblichen Abwässer der Stadt Aachen sowie die der angeschlossenen Industrie. Hinzu kommt Abwasser aus einem Teilbereich von Würselen. Da Schmutzwasser und Regenwasser in weiten Bereichen dieses Einzugsgebiets nicht getrennt sind, führt dies bei starken Regenfällen zu einem Zufluss, welcher die maximale Aufnahmekapazität der Kläranlage (3.000 Liter/sec) überschreitet. Deswegen gibt es auf der Anlage entsprechende Rückhaltebecken und vor der Anlage ein im Jahr 2005 in Betrieb genommenes Regenüberlaufbecken (RÜB). Insgesamt steht ein Speichervolumen von 26.000 Kubikmetern zur Verfügung. Selbst dieses reicht bei vielen Regenereignissen nicht aus, so dass Mischwasser unter definierten Umständen aus dem Regenüberlaufbecken in die Wurm eingeleitet werden darf. Es handelt sich dabei dann um stark durch Regenwasser verdünntes Abwasser, aus dem sich die Feststoffe zum großen Teil schon auf dem Beckenboden abgesetzt haben.
Inzwischen entspricht dieses Vorgehen jedoch nicht mehr den weitergehenden Anforderungen zur Sicherstellung der Gewässergüte der Wurm. Das durch das RÜB einzuleitende Abschlagswasser ist weitergehend zu reinigen, bevor es in den Fluss entlassen wird.
Außerdem kommt es durch den Abschlag auch zu schwallartigen Abflüssen, die zu einer starken stoßweisen hydraulischen Belastung der Wurm führen.
Der Wasserverband Eifel-Rur als Betreiber der Kläranlage wird daher auf der Freifläche vor dem Regenüberlaufbecken einen sog. „Retentionsbodenfilter“ errichten. Dieser besteht aus sechs einzelnen Becken, auf deren Sohle sich eine abwasserdurchlässige Filterschicht
befindet. In dieser Filterschicht entfernen Mikroorganismen die noch im Mischwasser enthaltenen gelösten Schmutzstoffe. Damit wird das Mischwasser weitergehend biologisch gereinigt. Erst nachdem das Wasser die Filterschicht durchsickert hat, gelangt es in die Wurm. Durch die Speicherkapazität der Becken wird der Abfluss zudem gedrosselt, sodass die hydraulische Belastung der Wurm verringert wird. Zur Auflockerung der Filterschicht wird flächendeckend Schilf eingepflanzt, was den Becken optisch einen „Reisfeldcharakter“ verleiht.
Bevor der Wasserverband mit dem Bau der Becken und den dafür notwendigen Erdarbeiten beginnen kann, sind vorbereitende Arbeiten notwendig, die jetzt in Angriff genommen werden. So erfolgt zunächst eine Kampfmitteluntersuchung, da auch hier noch mit Resten von
Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg zu rechnen ist. Daran schließen sich archäologische Untersuchungen und gegebenenfalls notwendige Dokumentation von Funden an. Voraussichtlich im November wird zwischen dem Baugelände und den Häusern an der benachbarten Siedlung „Hochbrück“ eine Spundwand in den Boden getrieben, die ein
Abfließen von Grundwasser aus der Siedlung in die Baustelle und damit Setzungsbewegungen an den Häusern verhindern wird. Nach Erstellung der Spundwand beginnen dann im Jahr 2021 die Erdarbeiten zur Errichtung der Retentionsbodenfilterbecken sowie die Betonierung der Zuleitungskanäle. Voraussichtlich im März 2022 sollen Bauarbeiten beendet sein.
Der Retentionsbodenfilter hat eine Fläche von 30.000 Quadratmetern – entsprechend ca. 4 Fußballfeldern – und ist damit einer der größten Retentionsbodenfilter Deutschlands. Er hat darüber hinaus ein Fassungsvermögen von 37.000 Kubikmetern. Die Baukosten sind mit ca. 22 Mio. Euro veranschlagt.



