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Keupen: "Unsere Welt ist eine andere"
© Stadt Aachen/Andreas Herrmann
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Keupen: "Unsere Welt ist eine andere"

Seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs ist unsere Welt eine andere, sagt Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen anlässlich des ersten Jahrestags des russischen Überfalls auf die Ukraine.

Der Glaube an immer währenden Frieden in Europa habe sich als trügerisch erwiesen. Chernihiv, die Aachener Solidaritätspartnerstadt in der Ukraine beispielsweise, sei mittlerweile zu 70 Prozent zerstört.

In dem Zusammenhang stellt die Oberbürgermeisterin die Solidarität heraus, die die Aachener Stadtgesellschaft auch schon in vielen anderen Krisen eindrucksvoll bewiesen habe.

Aktuell sind gut 2.650 Personen aus der Ukraine in Aachen – 900 davon in Unterkünften der Stadt. Über das gesamte Jahr waren es deutlich mehr, die zunächst nach Aachen kamen, um dann weiter zu Freunden oder Verwandten zu reisen. Allein bis August haben über 2.000 Menschen erreicht. Acht Millionen Menschen leben mittlerweile in europäischen Staaten als Geflüchtete, weitere 5,4 Millionen Menschen sind innerhalb der Ukraine auf der Flucht.

Die ersten Hilfesuchenden sind in Aachen schon zwei Tage nach Kriegsausbruch angekommen - oft nur mit dem, was in einen Rucksack oder Koffer passte, teilweise ihr Haustier auf dem Arm, sichtlich traumatisiert von den Geschehnissen in ihrer Heimat. Daraufhin hat die Stadtverwaltung ihre Fachleute aus den unterschiedlichsten Bereichen gebündelt und die Unterbringung koordiniert - teils in privaten oder angemieteten Unterkünften, teils in städtischen und ab Mitte des Jahres auch in Sporthallen.

Regelmäßige „Krisenstäbe“ habe die sich stetig ändernde Lage bewertet, weitere Hilfe angestoßen und Angebote gesteuert. Kinderbetreuung wurde organisiert, bald auch KiTa- und Schulplätze angeboten. Spontan haben sich private Hilfsaktionen gebildet, teilweise aus der in Aachen lebenden ukrainischen Gemeinde – in Aachen sind derzeit 3.601 Ukrainer*innen gemeldet.

Die Aachener*innen haben ganze Familien privat untergebracht, Geld gespendet und auch Kleidung, Hygieneartikel, Spielzeug und alles, was die hier Ankommenden dringend benötigten.

Keupen wörtlich: „Ich bin stolz auf unsere Stadt und die Menschen dieser Stadt, die ohne zu fragen, ihre Türen und Arme weit geöffnet haben. Wir in Aachen standen zu unserem Versprechen, sicherer Hafen für Menschen aus Kriegsgebieten zu sein.“

Im Depot Talstraße ist ein „Engagement Center“ eingerichtet worden - als zentrale Anlaufstelle für die Geflüchteten und auch für Bürger*innen, die sich einbringen wollten oder Hilfe von Behörden brauchten. Das Angebot konnte mittlerweile wieder komplett zurückgefahren werden. Das Engagement, die Hilfe, die Beratung – ob nun bei Initiativen, Bürger*innen oder der Verwaltung – halte aber dezentral weiter an, so die Stadt, Netzwerke seien entstanden, die bis heute tragen.

Sibylle Keupen ist nicht nur stolz auf die Stadtgesellschaft, die gezeigt habe „dass die Menschlichkeit in unserer Welt die Dunkelheit erhellt“, sondern auch auf „die europäische Gemeinschaft, die angesichts der massiven Bedrohung geeint dem Aggressor gegenübertritt und zeigt, dass die Völker der Union eben doch mehr eint, als die Wirtschaft“. Menschen, die seit einem Jahr jeden Tag kämpfen und ihr Leben aufs Spiel setzten, um ihr Land zu verteidigen und damit auch die europäische Idee der Demokratie, des Friedens und der Freiheit, würden Werte verkörpern, die uns in der europäischen Gemeinschaft einen. Für diesen Mut und diese Entschlossenheit werde man dem ukrainischen Volk und seinem Präsidenten in diesem Jahr den Karlspreis verleihen - auch um aus Aachen ein Signal in die Welt zu senden, dass man daran glaube, dass Menschlichkeit, dass die Demokratie am Ende siegen werde, so Keupen weiter.

Dabei erinnert sie auch an die vielen Krisen, Kriege und an die Unterdrückung weltweit, etwa im Jemen, in Afghanistan, Myanmar, Syrien, Belarus und „in den ganzen Staaten, in denen sich die Diktatoren auf der Siegesstraße wähnen“. Die Oberbürgermeisterin ist überzeugt: „Ihr werdet niemals siegen, weil Unrecht niemals Recht wird.“

Veröffentlicht: Freitag, 24.02.2023 12:18

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