
Karlspreis an Oppositionspolitikerinnen aus Belarus
Veröffentlicht: Freitag, 17.12.2021 10:00
Drei Oppositionspolitikerinnen aus Belarus bekommen im nächsten Jahr den Internationalen Karlspreis zu Aachen: Swetlana Tichanowskaja, Maria Kalesnikava und Veronica Tsepkalo.
Die Stadt Aachen und das Karlspreisdirektorium haben das bei der Bekanntgabe am Freitagvormittag mit dem "unglaublichen mutigen und ermutigendem Einsatz" der Frauen für Freiheit, Demokratie und Aufrechterhaltung der Menschenrechte begründet. Werte, für die auch der Karlspreis stehe, so Jürgen Linden vom Karlspreisdirektorium. Sie seien ein einmaliges Vorbild gegen Willkür und den Unrechtstaat.
Mit dem Karlspreis soll ein politisches Zeichen gesetzt werden, um möglichst viele europäische Entscheidungsträger aufzurufen, sich um die Lage in Belarus zu kümmern. Die drei Frauen seien starke Vorbilder für junge Menschen in Europa.
Eine der designierten Preisträgerinnen befindet sich aktuell in Haft.
Jürgen Linden sagte auch, alle drei hätten den Preis "mit großer Freude" angenommen. Tichanowskaja selbst hat auf Twitter geschrieben, sie fühle sich "zutiefst geehrt" von der Auszeichnung. Tsepkalo erklärte, der Preis gehe an alle Belarussen, "die ihren Kampf nicht aufgeben".
Tichanowskaja ist das Gesicht der Opposition gegen den autoritären Machthaber Alexander Lukaschenko. Als ihr Ehemann bei der Präsidentschaftswahl in Belarus nicht antreten durfte, kandidierte sie im vergangenen Jahr selbst. Erneut zum Sieger ausrufen ließ sich damals der oft als "letzter Diktator Europas" kritisierte Lukaschenko, was der Westen nach Berichten über massive Fälschungen aber nicht anerkennt.
Inzwischen lebt die 39-jährige Tichanowskaja im Exil. Ihr Mann sitzt in Belarus in Haft. Tichanowskaja wird von Kalesnikava, die Anfang September in einem international kritisierten Prozess zu elf Jahren Straflager verurteilt wurde, und Tsepkalo unterstützt. Die beiden in Freiheit lebenden Frauen wollten den Preis selbst entgegennehmen. Für Kalesnikava wolle ihre Schwester kommen, sagt Linden.
Der Karlspreis wird traditionell am Himmelfahrtstag (26. Mai 2022) im Krönungssaal des Aachener Rathauses verliehen.
Die Karlspreisverleihung 2020 hat pandemiebedingt erst im Oktober dieses Jahres stattgefunden. Zuletzt hat der rumänischen Präsidenten Klaus Johannis den Preis erhalten.
(Foto: Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen und Jürgen Linden vom Karlspreis-Direktorium bei der Bekanntgabe.)







