
Italien feiert Olympia-Eröffnung als knallbunte Oper
Veröffentlicht: Freitag, 06.02.2026 19:39
Winterspiele in Italien
Mailand (dpa) - Olympia als ganz große Oper: Mit einem Riesenspektakel in buntesten Farben haben in Mailand die 25. Olympischen Winterspiele begonnen. Vor 67.000 Zuschauern liefen Athletinnen und Athleten aus 92 Teilnehmernationen ins legendäre Fußballstadion San Siro ein. Parallel dazu wurde an gleich drei weiteren Orten gefeiert - im 400 Kilometer entfernten Cortina d'Ampezzo, der zweiten Gastgeberstadt, in Predazzo und in Livigno. Damit kehren die Winterspiele nach einer Pause von 20 Jahren wieder zurück in die Alpen.
Außer der Erinnerung an Opern-Legenden wie Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini bot Italien zum Auftakt vieles andere auf, für das es weltweit bekannt ist: vom Kinderbuch-Helden Pinocchio bis zu seinen Paparazzi. Vom verstorbenen Modemacher Giorgio Armani stammten einige Kostüme. Auch Italiens Küche wurde gewürdigt. Zur Begeisterung des Stadionpublikums sang die US-Popdiva Mariah Carey einen der Klassiker des nationalen Liedguts: «Nel blu, dipinto di blu», besser bekannt als «Volare».
Die Eröffnungsfeier unter dem Motto «Armonia» (Harmonie) sollte den dezentralen Charakter der Spiele widerspiegeln. Zum ersten Mal in der Olympia-Geschichte gibt es zwei Gastgeberstädte. Die Wettbewerbe gehen sogar in sieben verschiedenen Orten im Norden Italiens über die Bühne. Weiter waren die Entfernungen bei Winterspielen noch nie. Die mehrstündigen Fahrtwege stellen alle auf die Probe, auch die Athleten.
Erstmals zwei olympische Feuer
Erstmals brennen bis zum Ende der Spiele am 22. Februar zwei olympische Feuer - eines am Arco della Pace (Friedensbogen) in der Innenstadt von Mailand und eines auf der Piazza Dibona in Cortina. In dem Nobel-Skiort gab es vor 70 Jahren schon einmal Olympia - der Auftakt für den Aufstieg des Bergdorfs zur «Königin der Dolomiten».
Die deutschen Fahnenträger Katharina Schmid und Leon Draisaitl traten ebenfalls an verschiedenen Orten auf. Skispringerin Schmid, die schon am Samstag auf der Normalschanze ihren ersten Wettkampf bestreitet, übernahm ihre Rolle in Predazzo. Eishockey-Superstar Draisaitl - erst kurz vor der Eröffnung gelandet - führte einen anderen Teil des Teams in die Mailänder Arena. «Ich bin unfassbar stolz drauf», sagte der 30-Jährige.
Auftritte von Mariah Carey und Andrea Bocelli
Für die Eröffnung hatten sich 130 der insgesamt 185 deutschen Olympia-Teilnehmer angekündigt. So groß war ein deutsches Team bei Winterspielen noch nie. «Mein Eindruck aus den ersten Tagen in Italien ist, dass unser Team D voller Vorfreude und absolut bereit ist, das Beste aus sich herauszuholen und unsere Sportnation würdig zu vertreten», sagte Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.
Die deutsche Delegation kam als 32. von 92 Teilnehmernationen ins Stadion. Wie oft schon stieß das Team-Outfit - ein übergroßer schwarzer Poncho mit Fischerhut - auf ein geteiltes Echo. Modeschöpfer Harald Glööckler meinte zur Deutschen Presse-Agentur: «Was einem hier geboten wird, ist weder innovativ noch erfrischend neu - geschweige denn ansprechend.» Der Nordische Kombinierer Johannes Rydzek dagegen sprach von einem «ungewöhnlichen Look» und versicherte: «Wir alle stehen zusammen und sehen auf der Bühne toll aus. Das ist großartige Mode.»
Der erste Teil der Show fand schon vor der Athletenparade statt, mit internationalen Musikstars aus Klassik und Pop. Neben Mariah Carey standen Andrea Bocelli, Laura Pausini, Cecilia Bartoli und der Pianist Lang Lang auf der Besetzungsliste.
US-Vize Vance auf der Ehrentribüne
Auf der Tribüne saß neben der neuen IOC-Chefin Kirsty Coventry - Nachfolgerin des Deutschen Thomas Bach an der Spitze des Internationalen Olympischen Komitees - einiges an politischer Prominenz. US-Vizepräsident JD Vance hatte seine Familie und Außenminister Marco Rubio dabei.
Insgesamt waren etwa 50 Staats- und Regierungschefs angekündigt. Deutschland wurde durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vertreten. Die Eröffnungsformel spricht traditionell das Staatsoberhaupt des Gastgeberlandes: dieses Mal Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella.
6.000 zusätzliche Sicherheitskräfte bei Olympia
Vorab gab es Ärger über die Umstände des Besuchs der US-Delegation. Um den Schutz der Offiziellen kümmern sich auch Beamte der US-Einwanderungspolizei ICE, die wegen ihres teils brutalen Vorgehens gegen Migranten in den Vereinigten Staaten in der Kritik steht. Am Eröffnungstag demonstrierten Hunderte in Mailand gegen deren Anwesenheit. Aus Sorge vor Anschlägen und Störaktionen hat Italien während der Spiele mehr als 6.000 zusätzliche Sicherheitskräfte im Einsatz.
Mit «Milanocortina» steigen 20 Jahre nach Turin 2006 die Winterspiele wieder in den Alpen. Bis zum 22. Februar konkurrieren 2.900 Athletinnen und Athleten bei 116 Medaillen-Entscheidungen um Gold, Silber und Bronze.
Die Hoffnung ruht darauf, dass mit der Rückkehr von Winter-Olympia in die Alpen wieder mehr Stimmung aufkommt. Die vorigen Spiele von Sotschi (Russland), Pyeongchang (Südkorea) und Peking (China) hatten in dieser Hinsicht nicht alle Erwartungen erfüllt. 2030 sind die Spiele wieder in den Alpen: in Frankreich.




