Anzeige
Intensivmediziner kritisieren Triage-Gesetz
© Daniel Carreno
Teilen: mail

Intensivmediziner kritisieren Triage-Gesetz

Der Chef der Intensivmediziner in Deutschland, Prof. Dr. Gernot Marx von der Uniklinik Aachen, kritisiert das vom Bundestag beschlossene Triage-Gesetz.

Demnach können solch schwierige Entscheidungen nur mit Blick auf die Erfolgswahrscheinlichkeit einer intensivmedizinischen Behandlung getroffen werden. Im Zweifelsfall werde der Patient priorisiert behandelt, von dem man glaube, dass er die beste Chance hat, durch die Intensivmedizin zu überleben, so Marx.

Das neue Gesetz will es aber anders. Jetzt sollen Patienten, die schon auf der Intensivstation liegen, mit Sicherheit behandelt werden, auch wenn Menschen in der Notaufnahme oder auf den Normalstationen durch Intensivbehandlungen größere Überlebenschancen haben.

Weitere Infos von der DIVI (Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin):

„Diese ‚First-come-first-serve‘-Vergabe von Intensivmedizinressourcen lehnen wir strikt ab, ebenso wie die Möglichkeit eines simplen Losverfahrens“, erklärt Prof. Uwe Janssens, der für die DIVI vor zwei Jahren als Präsident und Sprecher der DIVI-Arbeitsgruppe Ethik federführend an der medizinischen Leitlinie zur Triage beteiligt war, wie auch an der formulierten Stellungnahme der Taskforce COVID-19 Leitlinien. „Deutlich gesagt: Das jetzt gesetzlich formulierte Verbot einer Ex-Post-Priorisierung wird unweigerlich zu mehr vermeidbaren Todesfällen führen!“, ist Janssens überzeugt. Denn dieses Verbot werde sich jetzt auch deutlich auf den Alltag eines Intensivmediziners auswirken: „Das Verbot der Ex-Post-Priorisierung wird es – und das nicht nur unter Pandemiebedingungen – Ärztinnen und Ärzten deutlich erschweren, Therapiezieländerungen im klinischen Alltag umzusetzen.“ Das aber wiederum ist gelebte Praxis in der Intensivmedizin.

Veröffentlicht: Freitag, 11.11.2022 10:27

Anzeige
Anzeige
Anzeige