
Indigene erhalten Ausstellungsgegenstände zurück
Veröffentlicht: Dienstag, 10.09.2024 15:00
Die Familie des langjährigen Honorarkonsuls von Brasilien, Klaus Pavel aus Aachen, gibt ihre Sammlung indigener Kunst und Gebrauchsgegenstände den Indigenen des Xingu Reservats am Amazonas zurück.
Bei der feierlichen Zeremonie am Sonntag (15.9.2024, 11 Uhr) in der Aachener Nadelfabrik am Reichsweg wird auch Häuptling Tapi Yawalapiti aus der Amazonas-Region dabei sein.
Mit dieser Rückgabe soll auf die katastrophale Situation des Xingu-Parks, der dort lebenden Stämme und die Vernichtung von Fauna und Flora aufmerksam gemacht werden.
Die "Nekrei"-Ausstellung bleibt aber bis auf weiteres als temporäre Leihgabe und „Klimamahnmal“ in Aachen.
Hintergrund-Infos der Familie Pavel:
"Das brasilianische Institut ARITANA ist die NGO der indigenen Völker des brasilianischen Parque Indígena do Xingú – PIX (Xingú Reservat für indigene Völker). Dort leben 16 der 300 Amazonas-Stämme mit unterschiedlichen Sprachen und Religionen. Das 1961 geschaffene und in der brasilianischen Verfassung verankerte Reservat ist mit über 26 420 Quadratkilometern (so groß wie Nordrhein-Westfalen) eines der größten und schönsten Reservate der Welt mit einer Bevölkerungsdichte von 5 (!) Einwohnern pro Quadratkilometer.
Das geschützte Paradies ist in großer Gefahr, denn rund um das Reservat haben sich die größten Agrar- und Viehproduzenten der Welt angesiedelt. Diese Soja- und Fleischbarone drängen seit Jahren auf die Einverleibung dieses unberührten Gebietes im Bundesstaat Mato Grosso (großer Wald). Diese Völker brauchen daher dringend auch unsere Unterstützung, um die Nachhaltigkeit ihres natürlichen Lebensraumes auch zu unserem Wohle nachhaltig zu erhalten/verteidigen.
Dazu soll auch das Museum/die Ausstellung „NEKREI“ in der Aachener Nadelfabrik einen kleinen Beitrag leisten. Allein die Vegetation des Gebietes XINGU bindet jährlich bereits 235 Millionen Tonnen CO2 von den 120 Milliarden Tonnen CO2, die nach neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen das gesamte Amazonasgebiet bindet.
PIX ist somit ein gewaltiger “Carbon sink”! Eine Rodung des Gebietes als Agrarfläche (und das wäre erst der Anfang!) hätte weitere enorme katastrophale Auswirkungen auf das Klima weltweit. Allein das Amazonasbecken bindet 20% des CO2 unseres Planeten. Der Garant für diese unglaubliche CO2 Bindung ist der Fortbestand dieser Flächen durch die Unterstützung und den Erhalt des Lebensraums der indigenen Völker und ihrer Kultur. Dies kann nur erfolgreich geschehen, wenn auch die neuen indigenen Generationen Anreize erhalten, ihre ursprüngliche Kultur und Tradition weiter zu pflegen und zu erhalten, ohne gleichzeitig auf die neuzeitlichen Errungenschaften verzichten zu müssen. Deshalb ist geplant, im PIX-Gebiet ein sogenanntes REDD+ (Reduction of Emissions of Degradation and Deforestation) zu starten, um mit den Einnahmen aus den CO2-Zertifikaten eine neue, postmoderne Zukunft für die Xingú-Völker zu schaffen, ohne dabei ihre Kultur und ihren Lebensraum zu zerstören.
Die Schenkung der Sammlung „NEKREI“ ist im Rahmen des REDD+ Projektes eine weitere Initiative für das XINGU Projekt Ybyrassú (großer Baum), um als Pilotprojekt in dieser Region einen Beitrag zu leisten.
Die Schenkung der NEKREI-Sammlung an die Indigenen des XINGU RESERVATS ist wahrscheinlich die erste private indigene Sammlung die freiwillig wieder an ihren Ursprung zurückgeführt wird - zum Wohle aller derer, die die Objekte geschaffen haben. Ein PILOT Projekt. Die Sammlung wurde auf die Fundacao (Stiftung) Pavel in Brasilien übertragen. Die über 200 Objekte umfassende Sammlung „NEKREI“ wurde dem Honorarkonsulat in Aachen Klaus Pavel von der Stiftung in Brasilen als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Sie repräsentiert eindrucksvoll die Kraft und Nachhaltigkeit der 16 indigenen XINGU Stämme - beheimatet an dem 1600 km langen gleichnamigen Fluss, dem größten Nebenfluss, der in den Amazonas mündet. Die Schenkung der Nekrei-Sammlung (ein indigenes Wort für den Erhalt aller ererbten Ehren und Güter sowie der rituellen Schmuckstücke der Initiation) zurück an seinen Ursprung soll als Pilotprojekt ein eindrucksvolles Vorbild für die heutige „moderne” sowie indigene Gesellschaft sein um ihre Traditionen zu pflegen und den altenbarterhandel (Moitara) wieder als Lebensgrundlage der Indigenen via Internet zu fördern.
Häuptling Tapi Yawalapiti ist Präsident der NGO des bekannten Instituts ARITANA, in dem 16 Stämme zusammengeschlossen sind. Tapi Yawalapiti ist ein Sohn des legendären Aritana Yawalpiti, nach dem das Institut auch benannt wurde. Er war eine außergewöhnliche und weltweit anerkannte große Persönlichkeit und ist 2020 an Covid verstorben."





