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IHK-Frühjahrsumfrage: Es bleibt schwierig...
© IHK Aachen/Jörg Hempel
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IHK-Frühjahrsumfrage: Es bleibt schwierig...

Veröffentlicht: Dienstag, 16.05.2023 09:53

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Der Wirtschaftsfrühling lässt auf sich warten, die Situation der Wirtschaft in Aachen und der Region bleibt herausfordernd, der befürchtete tiefgreifende Einbruch ist aber ausgeblieben. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Aachen hervor.

"Die Stimmungslage der Wirtschaft ist vergleichbar mit dem Verlauf unseres Wetters: Wir haben den Winter überstanden, von einem Frühlingserwachen ist aber noch nichts zu spüren", so IHK Hauptgeschäftsführer Michael F. Bayer (Foto unten).

Die Geschäftslage der Unternehmen befinde sich auf einem überwiegend guten Niveau, die negativen Rückmeldungen seien im Vergleich zum Jahresbeginn aber leicht gestiegen. Ein Drittel aller Betriebe ist mit der aktuellen Situation zufrieden, knapp jeder Fünfte meldet schlechte Geschäfte. Das liege insbesondere an der hohen Inflation, die vor allem die Industrie und den Handel belaste. In der Folge habe sich auch die Ertragslage bei der Mehrzahl der Betriebe verschlechtert.

Gleichzeitig rechnen die Unternehmer mit keinen gravierenden Veränderungen in den kommenden Monaten. Rund ein Viertel prognostiziert eine schlechtere Entwicklung, geringfügig weniger rechnen mit besseren Geschäften. Auch beim Auslandsgeschäft erwarten die Befragten kaum Veränderungen. Die Zahl der Betriebe, die einen Anstieg der Exportnachfrage erwartet, ist fast genauso hoch wie diejenigen, die einen Rückgang erwarten. Die Investitionspläne bleiben stabil, eine knappe Mehrzahl der Unternehmer will in den kommenden Monaten mehr investieren.

Die wirtschaftlichen Risiken werden von den Befragten kaum anders bewertet als noch zum Jahresbeginn. Zwar hat sich die Sorge vor steigenden Energie- und Rohstoffpreisen jetzt etwas verringert, allerdings sehen immer noch zwei Drittel aller Befragten diese Faktoren als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung.

Fast ebenso viele Befragte machen sich Sorgen wegen des anhaltenden Arbeitskräftemangels. Der Mitarbeiterbedarf der Betriebe ist nahezu unverändert hoch. Gesucht werden Beschäftigte aller Qualifikationsstufen. Die Zahl der Unternehmen, die Mitarbeitende ohne Berufsausbildung suchen, fällt jedoch etwas geringer aus.

In der Industrie ist die Mehrheit der Betriebe mit ihrer aktuellen Situation zufrieden. Aber auch hier ist die Zahl der negativen Bewertungen in den vergangenen Monaten gestiegen. Jeder dritte Befragte berichtet noch von guten Geschäften, bei jedem fünften hat sich die Lage verschlechtert. Die Umsätze sind in den zurückliegenden Monaten bei weniger Unternehmen gestiegen. Die Auslastung der Produktionskapazitäten blieb mit 82 Prozent gegenüber dem Jahresbeginn konstant und liegt noch über dem langjährigen Durchschnittswert von 81,0 Prozent.

Die überwiegende Zahl der Dienstleister ist mit ihrer derzeitigen Lage ebenfalls nahezu unverändert zufrieden. 41 Prozent der Befragten melden gute Geschäfte, 14 Prozent sind unzufrieden. Bei vier von zehn Unternehmen sind die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, bei drei von zehn jedoch gesunken.

Im Handel hat sich die Lage in den vergangenen Monaten verschärft. 22 Prozent der Befragten sind mit ihrer Lage zufrieden, 27 Prozent melden schlechte Geschäfte. Das ist die schlechteste Bewertung des Handels in den vergangenen zehn Jahren. Das liegt vor allem an einer deutlichen Verschlechterung der Situation im Großhandel. Nur noch jeder zehnte Betrieb ist hier mit seinem aktuellen Geschäft zufrieden, jeder vierte ist es nicht. Trotz der weiterhin hohen Inflation hat sich die Lage im Einzelhandel seit Jahresbeginn verbessert. 43 Prozent der Befragten melden gute Geschäfte, 38 Prozent sind unzufrieden.

Die Situation im Baugewerbe ist überwiegend positiv, hat aber gegenüber dem Jahresbeginn eine rückläufige Tendenz. 35 Prozent der Befragten melden gute Geschäfte, nur 9 Prozent schlechte. Die Bauproduktion ist in den vergangenen Monaten deutlich gesunken. Auch die Auslastung der Maschinen und Geräte ist spürbar zurückgegangen.

Der Exportumsatz in der Industrie ist in den vergangenen Monaten stabil geblieben, die Rückmeldungen haben aber eine deutlich rückläufige Tendenz. Bei 36 Prozent der Befragten ist er gestiegen, bei fast ebenso vielen gesunken. Die Auftragseingänge aus dem Ausland haben eine leicht negative Tendenz: 27 Prozent der Betriebe berichten von einer steigenden, 30 Prozent von einer sinkenden Nachfrage. In der Folge rechnen die Industriebetriebe in den kommenden Monaten nicht mit Wachstumsimpulsen aus dem Auslandsgeschäft. Rund ein Fünftel aller Befragten prognostiziert einen Anstieg der Exportnachfrage, geringfügig weniger gehen von einem Rückgang aus.

Die Ertragslage der Unternehmen hat sich in den zurückliegenden Monaten noch nicht erholt. Bei rund einem Drittel der Befragten sind die Erträge gesunken, ein Viertel meldet gestiegene Erträge.

Trotz der zurückhaltenden Erwartungen und der verschlechterten Ertragslage bleibt die Investitionsneigung der Unternehmen unverändert. 24 Prozent der Befragten wollen ihre Ausgaben erhöhen, 18 Prozent senken.

Ähnliches gilt für den Mitarbeiterbedarf, der weiterhin auf einem hohen Niveau bleibt. 28 Prozent der Befragten gehen von einem Anstieg der Mitarbeiterzahlen aus, 16 Prozent rechnen mit einem Rückgang.

Stadt Aachen

Die Lage der Unternehmerinnen und Unternehmer in der Stadt Aachen bleibt weiterhin überwiegend positiv. 48 Prozent melden gute Geschäfte, 15 Prozent sind nicht zufrieden. Von guten Geschäften berichten das Baugewerbe (Saldo: +59), die Industrie (Saldo: +49) und die Dienstleister (Saldo: +40). Die Aussichten haben sich jedoch nur leicht verbessert: 20 Prozent blicken zuversichtlich in die Zukunft, 19 Prozent sind skeptisch. Überwiegend positiv sind die Erwartungen nur bei den Dienstleistern (Saldo: +27).

Übrige Städteregion Aachen

Im ehemaligen Kreis Aachen berichten etwas mehr Betriebe als zuletzt von einer guten Situation. 36 Prozent der Betriebe sind mit ihrer Lage zufrieden, 10 Prozent melden schlechte Geschäfte. Positiv gestimmt sind vor allem die Dienstleister (Saldo: +28) und die Industrie (Saldo: +22). Die Erwartungen haben sich leicht verbessert, bleiben aber überwiegend negativ: Nur 15 Prozent der Befragten rechnen mit einer guten Entwicklung, 26 Prozent gehen von schlechten Geschäften aus. In keinem Sektor prognostizieren die Befragten eine Verbesserung der Lage. Besonders negativ sind die Erwartungen im Einzelhandel (Saldo: -70) und im Großhandel (Saldo: -57).

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IHK-Frühjahrsumfrage: Es bleibt schwierig...
© Stadtbild/Renate Schütt
Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen
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