
IG BAU: Zu viele befristete Jobs
Bei 51 Prozent der Neueinstellungen in der StädteRegion Aachen sind letztes Jahr befristete Arbeitsverträge geschlossen worden.
Darauf weist die Gewerkschaft IG BAU hin. Damit liege Aachen weit über dem bundesweiten Befristungsanteil von durchschnittlich 39 Prozent.
Von rund 12.000 Arbeitsverträgen, die im zweiten Quartal neu abgeschlossen wurden, waren etwa 6.200 befristet, so die Gewerkschaft unter Verweis auf eine aktuelle Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Somit sei auf dem heimischen Arbeitsmarkt etwas aus dem Ruder gelaufen, gerade jetzt in der Corona-Krise könnten Befristungen für die Betroffenen leicht zur Falle werden, wenn Unternehmen solche Stellen nicht mehr verlängern, meint die IG BAU.
Befristete Stellen seien vor allem in Branchen wie der Gebäudereinigung und der Landwirtschaft sowie bei jungen Arbeitnehmern stark verbreitet. Wer dann als Berufseinsteiger eine Wohnung finden oder einen Kredit aufnehmen wolle, habe mit einem befristeten Vertrag schlechte Karten. Wegen der Unsicherheit müsse manchmal sogar der Wunsch nach eigenen Kindern vertagt werden.
Die IG BAU fordert die Bundesregierung dazu auf, ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag umzusetzen und Befristungen ohne einen sogenannten Sachgrund einzudämmen. Als Sachgründe gelten etwa eine Schwangerschaftsvertretung oder eine Probezeit. Ein aktueller Gesetzentwurf von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sehe vor, dass sachgrundlose Befristungen künftig nur maximal 18 anstatt bisher 24 Monate andauern und in diesem Zeitraum nur noch einmal statt wie bisher dreimal verlängert werden dürfen. In Betrieben mit mehr als 75 Beschäftigten sollen solche Verträge auf höchstens 2,5 Prozent der Belegschaft begrenzt werden.
Bisher stand die Union bei diesem Vorhaben auf der Bremse, sagt die Gewerkschaft. Aber das Gesetz sei überfällig – und es blieben nur noch wenige Wochen, um es in dieser Legislaturperiode durch den Bundestag zu bringen.
Die Pandemie habe gezeigt, dass neben den kaum abgesicherten Minijobs und Leiharbeitsverhältnissen auch Befristungen alles andere als krisenfest seien. Nach Angaben des WSI hatten im zweiten Quartal vergangenen Jahres in der Altersgruppe bis 25 Jahren bundesweit durchschnittlich knapp 51 Prozent aller neu abgeschlossenen Verträge ein Ablaufdatum (Azubis nicht mitgerechnet). Frauen sind häufiger von Befristungen betroffen als Männer, auch ein Migrationshintergrund wirkt sich negativ aus, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Im vergangenen Jahr wurden befristete Verträge laut IAB seltener verlängert, die Personalabgänge nach Befristungsende stiegen an und die Zahl der Übernahmen in unbefristete Beschäftigung sank deutlich.
Veröffentlicht: Montag, 10.05.2021 08:42