
IG Bau: Neuer Mindestlohn in Gefahr
Im Baugewerbe ist der angekündigte Branchenmindestlohn in Gefahr. Darauf weist der Bezirksverband Aachen der Gewerkschaft IG BAU hin.
Ab Mai sollen eigentlich viele der rund 3.700 Baubeschäftigten in der StädteRegon mindestens 13,45 Euro pro Stunde verdienen, damit würde der Branchenmindestlohn um 60 Cent steigen. Allerdings wartet die Branche noch auf die Zustimmung der Arbeitgeber durch ein Ja zum Schlichterspruch, das bis Freitag (8.4.22) vorliegen muss. Kommt das nicht, würde der Stundenlohn von Bauhelfern, Maurern, Zimmerern und Co. auf 9,82 Euro abstürzen. Das wäre der unterste Lohnsockel, der überhaupt zulässig ist - nämlich der gesetzliche Mindestlohn.
Die Gewerkschaft befürchtet auf den Baustellen eine „regelrechte Abwanderungswelle“, wenn der Schlichterspruch nicht angenommen wird. Kein Mensch stelle sich bei Wind und Wetter hin und schufte körperlich hart, um nur den gesetzlichen Mindestlohn und damit an der untersten Lohnkante zu verdienen, heißt es. Schon gar nicht bei einer Inflation, die enorm anziehe und die Preise weiter steigen lasse...
Dabei habe der Bau in Aachen volle Auftragsbücher: Für den Neubau von Wohnungen, für Energiespar-Sanierungen und für seniorengerechte Modernisierungen suchten Unternehmen schon heute händeringend Leute. Es sei ein offenes Geheimnis, dass die Branche auf Zuwanderung dringend angewiesen sei.
Sollte der Bau-Mindestlohn jetzt an den Arbeitgebern scheitern, dann scheitern auch viele Neubau- und Sanierungsmaßnahmen in der Städteregion, so die Gewerkschaft weiter. Vor allem sei der Baumindestlohn auch ein Garant für den fairen Wettbewerb der Branche.
Mit seinem Schlichterspruch zum Branchenmindestlohn habe der Präsident des Bundessozialgerichts, Rainer Schlegel, dem Bau bei der Lohnuntergrenze eine Perspektive gegeben. Er hat vorgeschlagen, den generellen Bau-Mindestlohn nicht nur ab diesem Mai, sondern auch im nächsten und übernächsten Jahr um jeweils 60 Cent zu erhöhen. Der Mindestlohn für Facharbeiter in der Städteregion Aachen soll, so schlägt der Schlichter vor, bis zum Ende dieses Jahres bei 15,70 Euro liegen und dann als feste Position im Tarifpaket verhandelt werden – also regulär mit den Löhnen auf dem Bau steigen.
Veröffentlicht: Dienstag, 05.04.2022 08:54