
IG BAU: Baubranche riskiert guten Ruf
Weil der Zoll in der Baubranche immer wieder Schwarzarbeit und Sozialbetrug aufdeckt, sorgt sich die Gewerkschaft IG BAU in Aachen um den Ruf der Branche.
Letztes Jahr haben Aachener Zöllner 143 Baufirmen in der Region überprüft und danach 388 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Wegen illegaler Praktiken sind dem Staat und den Sozialkassen 14,7 Millionen Euro entgangen.
IG BAU-Bezirkschef Michael Napetschnig spricht von einem „erschreckenden Ausmaß krimineller Energie“, das Image einer ganzen Branche stehe auf dem Spiel. Sauber wirtschaftende Firmen dürften nicht wegschauen, wenn sich Konkurrenten nicht an die Regeln halten. Gerade die Coronakrise habe gezeigt, wie wichtig die Bauwirtschaft als Stütze der Konjunktur auch in der Region sei.
Trotz der Pandemie sind laut dem Statistischen Bundesamt die Bau-Umsätze in den ersten fünf Monaten des Jahres um rund sieben Prozent gestiegen.
„Das beste Mittel gegen unerlaubte Geschäfte am Bau ist ein fairer Wettbewerb zu fairen Löhnen und Arbeitsbedingungen. Dazu muss sich die ganze Branche bekennen, wenn sie ihren Ruf nicht verspielen will“, so der Gewerkschafter. Die Arbeitgeber hätten in der laufenden Tarifrunde die Chance, die Bauberufe für Fach- und Nachwuchskräfte attraktiver zu machen.
Entscheidend sei aber auch, dass der Zoll schwarze Schafe noch stärker in den Blick nehme. „Es kommt nicht nur auf die Zahl der Kontrollen an, sondern auch auf die Qualität. Hier braucht die Finanzkontrolle Schwarzarbeit mehr Personal“, so Napetschnig.
Laut Finanzministerium waren beim Hauptzollamt Aachen zu Jahresbeginn lediglich 103 Planstellen besetzt.
Die Zollstatistik geht auf eine parlamentarische Anfrage der Bundestagsabgeordneten Beate Müller-Gemmeke (Bündnis 90/Die Grünen) zurück. Die Arbeitsmarktpolitikerin: „Schwarzarbeit und Lohn-Betrug sind keine Kavaliersdelikte. Der Zoll muss gestärkt werden, um flächendeckend kontrollieren und wirksam gegen illegale Machenschaften vorgehen zu können – gerade auf dem Bau.“
Veröffentlicht: Freitag, 31.07.2020 13:53