
Gender Pay Gap auch im Gastgewerbe
Anlässlich des Internationalen Frauentags am Dienstag weist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) darauf hin, dass hier in der StädteRegion Aachen Frauen in Vollzeit durchschnittlich 13 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Der mittlere Vollzeit-Verdienst von Männern liege hier bei 3.759 Euro pro Monat, Frauen kämen nur auf 3.260 Euro.
Dabei habe die Corona-Pandemie die Situation teils noch verschärft und alte Rollenbilder verfestigt. In Zeiten von Lockdowns und Schulschließungen hätten in vielen Familien besonders Frauen beruflich zurückstecken und sich um Kinder und Haushalt kümmern müssen.
Außerdem seien in Branchen wie dem Gastgewerbe Frauen besonders stark getroffen – etwa weil sie überdurchschnittlich oft in Minijobs arbeiten. Diese Stellen seien nach zwei Jahren Pandemie in großem Stil abgebaut worden. Die Betroffenen stünden nach dem Job-Verlust ohne Arbeitslosenversicherung da und hätten auch keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld.
In vielen Betrieben gebe es nach wie vor einen großen "Gender Pay Gap"‘, also eine erhebliche Lohnlücke zwischen den Geschlechtern. So verdienen Bäckereifachverkäuferinnen in NRW bei Vollzeit rund 400 Euro weniger als Bäcker. Dabei haben beide eine dreijährige Ausbildung hinter sich und es im Arbeitsalltag mit genauso hohen Anforderungen zu tun.
Die NGG ruft die Unternehmen in der Region dazu auf, die Ungleichbehandlung zu beenden und „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ zu zahlen. Gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel im Lebensmittel- und Gastgewerbe sollten die Firmen alles daransetzen, durch attraktive Arbeitsbedingungen Frauen zu gewinnen. Hier schlummere ein enormes Potential für den heimischen Arbeitsmarkt...
Auch die Politik stehe in der Pflicht, mehr für die Gleichberechtigung zu tun. Die NGG kritisiert insbesondere das Ehegattensplitting. Das Steuersystem biete Frauen, deren Partner ein gutes Einkommen haben, kaum Anreize, selbst beruflich durchzustarten. Durch hohe Abzüge in der Steuerklasse V blieben viele von ihnen doch zuhause oder machten nur einen Minijob. Hier müsse die Bundesregierung eine Reform anpacken.
Veröffentlicht: Dienstag, 08.03.2022 06:29