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Frauen bei der Feuerwehr brauchen besseren Schutz
© Mike Auerbach
v.l.: Johann Saathoff, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Carsten Schiffer, Rahel Heesemann und Justin Kühn.
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Frauen bei der Feuerwehr brauchen besseren Schutz

Veröffentlicht: Mittwoch, 29.11.2023 10:02

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Die höchste Auszeichnung Deutschlands im ehrenamtlichen Bevölkerungsschutz ist nach Aachen gegangen:

RWTH-Forscher der Institute für Arbeitswissenschaft (IAW) und Textiltechnik (ITA) haben herausgefunden, dass der mitunter schlechtere Sitz von Schutzkleidung bei Feuerwehrfrauen zu einem erhöhten Unfallrisiko führt – verglichen mit ihren männlichen Kollegen.

Dafür sind Carsten Schiffer (IAW), Rahel Heesemann (Koordinatorin der Arbeitsgruppe „Persönliche Schutzausrüstung“ am ITA) und Justin Kühn (ITA) jetzt in Berlin mit dem Förderpreis "Helfende Hand" vom Bundesinnenministerium ausgezeichnet worden. Die drei Aachener Forscher haben in der Kategorie „Innovative Konzepte“ gewonnen und sich am Montagabend gegen vier weitere Projekte behauptet.

Carsten Schiffer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Arbeitswissenschaft der RWTH Aachen, hat für seine Bachelorarbeit am ITA, die von Heesemann und Kühn betreut wurde, über 1.700 Feuerwehrleute danach gefragt, wie zufrieden sie mit ihrer Kleidung sind, wie sicher sie sich im Einsatz fühlen und wie gut Ihnen die Kleidung passt. Seine Erkenntnis: Den Feuerwehrfrauen passt es deutlich schlechter als den männlichen Kameraden.

Für seine Masterarbeit am IAW hat Schiffer, der zum besseren Verständnis der Materie ein Praktikum in der Verwaltung der Kölner Feuerwehr absolviert hat, dann ganz genau auf Unfalldaten und -berichte der Freiwilligen Feuerwehren geschaut: „Hier konnte ich zeigen, dass sich Feuerwehrfrauen nicht nur unsicherer fühlen, sie haben auch tatsächlich mehr Unfälle.“

Auch die Schwere der Unfälle ist eine andere. Während Feuerwehrmänner z. B. bei Stürzen vor allem klassische Abfangverletzungen an den Händen und Knieen erleiden, verletzen sich Frauen deutlich häufiger an Kopf oder Hüfte. Hier ist für die Forschenden ein Zusammenhang zu nicht perfekt sitzender Schutzkleidung höchstwahrscheinlich. Dieser Sachverhalt soll jetzt mit weiterer Forschung wissenschaftlich abgesichert werden, dazu haben die beiden Lehrstühle einen gemeinsamen Forschungsantrag gestellt.

Denn das Thema „ist gesellschaftlich sehr relevant und zudem auf weitere Hilfsorganisationen übertragbar“, erläutert Justin Kühn, der sich neben seiner Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am ITA auch bei der Freiwilligen Feuerwehr Aachen engagiert.

„Frauen und Männer können unterschiedliche körperliche und psychosoziale Belastungen am Arbeitsplatz erleben. Es ist wichtig, auf diese Unterschiede einzugehen und entsprechend Maßnahmen zu implementieren, die alle gleichermaßen schützen“, sagt Professorin Verena Nitsch, Leiterin des Instituts für Arbeitswissenschaft. Im Arbeitsschutz spielten die unterschiedlichen Anforderungen der Geschlechter oftmals noch eine untergeordnete Rolle: „Leider befassen sich noch zu wenige Arbeitgeber mit dem Thema, insbesondere in traditionell männerdominierten Berufen. Wir sind sehr stolz auf die Auszeichnung und hoffen, dass sie dazu beiträgt, das Bewusstsein für die Bedeutung des geschlechtergerechten Arbeitsschutzes zu stärken“, so Professorin Nitsch weiter.


(Foto oben: v.l.n.r.: Johann Saathoff, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Carsten Schiffer, Rahel Heesemann und Justin Kühn.)

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