
"Die Armutslücke gesunder Ernährung" - neue Misereor-Studie
Veröffentlicht: Donnerstag, 28.09.2023 08:27
Gesunde Ernährung ist ein Menschenrecht, von dem weltweit zwei von fünf Menschen ausgeschlossen sind.
Darauf weist das Aachener Hilfswerk Misereor angesichts seiner neuen Studie hin, die zusammen mit der Uni Göttingen entstanden ist.
Demnach bräuchte man drei Billionen US-Dollar, damit sich die gesamte Erdbevölkerung gesunde Ernährung leisten könne. Dieser Armutslücke stehe eine globale Wirtschaftsleistung von 135 Billionen US-Dollar gegenüber. Somit entspreche die Armutslücke nur 2,2 Prozent der globalen Einkommen. Sie halte aber mit 41 Prozent fast die Hälfte der Menschheit von einer gesunden Ernährung ab.
Weitere Infos von Misereor zu der neuen Studie:
Die neue Studie "Die Armutslücke gesunder Ernährung" berechnet, wie viel Geld Menschen weltweit fehlt, um sich eine gesunde Ernährung leisten zu können und zeigt, wie diese Armutslücke im Verhältnis zum globalen Wohlstand steht.
"Besonders groß ist die Armutslücke in den Weltregionen Sub-Sahara Afrika und Südasien", fasst Jonas Stehl, Entwicklungsökonom an der Uni Göttingen, die Ergebnisse zusammen. "Allein Sub-Sahara Afrika macht 40 Prozent der globalen Armutslücke aus, Südasien 35 Prozent", so Stehl.
Im Ländervergleich bestehen die größten Armutslücken in den bevölkerungsreichen Ländern Indien, Nigeria und Indonesien.
Die Belastung pro Person ist in Madagaskar am höchsten. Dort fehlen den einzelnen Menschen durchschnittlich 73 Prozent des notwendigen Einkommens, um sich eine gesunde Ernährung leisten zu können.
"Ohne Unterstützung von anderen Staaten wird es Ländern wie Madagaskar kaum möglich sein, die Versorgung mit gesunder Ernährung für alle Menschen zu gewährleisten", so Stehl.
"Die Ergebnisse machen deutlich: Wer Hunger und Mangelernährung besiegen möchte, muss Ungleichheit und Armut verringern", beschreibt Lutz Depenbusch, Lutz Depenbusch, Ernährungs-Experte bei Misereor, die notwenigen Maßnahmen. Er mahnt: „Es ist ein moralisches Versagen, wenn die Weltgemeinschaft den wachsenden Reichtum nicht stärker dafür einsetzt, das grundlegende Recht auf eine gesunde Ernährung aller Menschen zu sichern.“
Beispielsweise würde schon eine Besteuerung der Vermögen von Millionären und Milliardären von durchschnittlich 1,2 Prozent Steuereinnahmen im Umfang von 78 Prozent der Armutslücke generieren. Der Steuersatz wäre so gering, dass die Gruppe trotzdem reicher würde.
Aus Sicht von Misereor müssen zwei Schritte im Fokus stehen: die gerechtere Verteilung der Einkommen und die Ausrichtung der Ernährungssysteme auf die Bedürfnisse aller Menschen.
"Wenn sich hungernde und mangelernährte Menschen die Lebensmittel nicht leisten können, produziert das globale Agrarsystem fast ausschließlich für die Bedarfe wohlhabenderer Menschen", so Depenbusch weiter. "Das nachhaltige Entwicklungsziel, den Hunger zu besiegen (SDG 2), dem sich auch Deutschland verschrieben hat, ist in weite Ferne gerückt. Nur mit deutlichen Fortschritten bei der Verringerung von Armut und Ungleichheit (SDG 1 und 10) ist dieses Ziel erreichbar."
1958 als "Werk gegen Hunger und Krankheit in der Welt" gegründet, nimmt Misereor das Erntedankfest zum Anlass einer Publikationsreihe, in der aktuelle Herausforderungen bei der Hungerbekämpfung herausgestellt, Lösungswege zu Ernährungssouveränität skizziert und Vorschläge gemacht werden, wie das UN-Nachhaltigkeitsziel „Null Hunger“ bis 2030 noch erreicht werden kann.
