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DGB-Kritik wegen Amazon-Ansiedlung
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DGB-Kritik wegen Amazon-Ansiedlung

Die am Dienstag bekannt gewordene Ansiedlung von Amazon im Gewerbepark Avantis kritisiert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Aachen.

Die bisherigen Erfahrungen der Gewerkschaften mit dem Unternehmen gäben keinen Anlass für Euphorie, heißt es. Bis heute sei der Streit nicht beendet, nach welchem Tarifvertrag Amazon seine Beschäftigten zu bezahlen hat. Während Amazon sich als Logistiker betrachte, sehe "der Rest der Welt den Konzern als das, was er tatsächlich sei, nämlich einen Handelskonzern,“ sagt der hiesige DGB-Geschäftsfüher Ralf Woelk.

Auch mit der Steuermoral sei es nicht weit her bei Amazon. Es bedürfe größter Anstrengungen, um von Amazon das zu bekommen, was jeder Einzelhändler vor Ort zu bezahlen habe.

Das Thema Arbeitnehmerüberwachung lasse zusätzlich alle Alarmglocken bei den örtlichen Gewerkschaften klingeln. In Sachen Mitbestimmung und Arbeitnehmerrechten hinke Amazon den Ansprüchen an die deutsche Mitbestimmungskultur meilenweit hinterher. So ist es auch für den Geschäftsführer des DGB nicht akzeptabel, dass Amazon für die 170 in Aussicht gestellten Arbeitsplätze nur Leiharbeit vorsehe.

Woelk wörtlich: „Wir haben es hier nicht mit einem Start-up zu tun, dass sich erst einmal am Markt durchsetzen muss und ein gewisses Geschäftsrisiko trägt, sondern mit einen Online-Giganten, der sowohl die Marktpreise der Händler zu bestimmen versucht, die sich auf seiner Plattform anbieten (müssen), als auch ohne jede erkennbare Notwendigkeit über die Leiharbeit zu Dumping-Löhnen arbeiten lassen will. Ich hoffe, dass alle Beteiligten Akteure, die an dieser Ansiedlung beteiligt waren, nun auch das Rückgrat haben, von Amazon ordentlich bezahlte, unbefristete Tarifverträge für die Beschäftigten zu verlangen und sich nicht auf den Kuhhandel mit der Leiharbeit einzulassen! Letztlich geht es dabei von vorneherein auch darum, durch Leiharbeit die Beschäftigten zu disziplinieren und die Gründung von Betriebsräten zu verhindern.“

Mit Blick auf den Strukturwandel hat der DGB ebenfalls große Fragezeichen. „Bisher ging es in allen Gesprächen des Strukturwandels immer darum, am Ende gute industrielle Arbeitsplätze in der Region zu schaffen. Amazon passt da nicht ins Bild. 170 Leiharbeitsplätze auf 66.000 m² sind ein sehr mageres Ergebnis für die wenigen Restflächen, die wir für industrielle Ansiedlung in der Region noch haben. Das muss ein deutliches Alarmsignal bei all denen sein, die versuchen, den Strukturwandel erfolgreich zu gestalten.“

Die Gewerkschaften stehen den zukünftigen Beschäftigten von Amazon in jedem Fall zur Seite. „Ich kann jedem und jeder zukünftigen Beschäftigten von Amazon nur dringend empfehlen, sich bei ver.di gewerkschaftlich zu organisieren. Unsere Türen stehen offen!“, so Woelk.

Veröffentlicht: Mittwoch, 10.03.2021 08:17

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