
Armut droht Teilzeit- und Minijobbern
Ein Großteil der 111.000 Menschen, die in der Städteregion einen Teilzeit- oder Minijob haben, ist von Armut bedroht.
Laut der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fehlt besonders Frauen, die halbtags oder nur einzelne Tage in der Woche arbeiten, am Monatsende das nötige Geld. Für viele Familien hier bei uns sei ein Kinobesuch oder ein neuer Schulranzen längst zum Luxus geworden.
Die NGG Aachen sagt, an einer „Schieflage in der Gesellschaft und am Arbeitsmarkt“ hätten die Arbeitgeber eine Mitverantwortung. Wer sich um Tarifverträge drücke und auf prekäre Jobs statt Vollzeitstellen setze, sorge eben für magere Lohnzettel.
Eine Teilzeitkraft, die 25 Wochenstunden in einer Bäckerei oder Fleischerei nicht nach Tarif arbeite, komme auf einen Verdienst von durchschnittlich rund 1.000 Euro brutto im Monat. Die Armutsgrenze für eine Familie mit zwei Kindern liegt nach amtlicher Definition momentan bei 2.174 Euro pro Monat – netto. Längst nicht nur Alleinerziehende, sondern zunehmend auch Doppelverdiener hätten oft Schwierigkeiten, über diese Grenze zu kommen. Und die Leidtragenden sind häufig die Kinder.
Die NGG Aachen ruft die Betriebe in der Region deshalb dazu auf, sich zu tariflichen Standards und vollwertigen Arbeitsplätzen zu bekennen. Nur so könne Armut „an der Wurzel gepackt“ werden. Auch die Politik sei viel stärker gefordert. Das neue Bildungs- und Teilhabegesetz sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, reiche aber nicht.
Veröffentlicht: Montag, 23.09.2019 09:08