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Aachener Wald: Top-Bewirtschaftung, Tiere zurück
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Aachener Wald: Top-Bewirtschaftung, Tiere zurück

Veröffentlicht: Montag, 01.02.2021 22:04

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Die Stadt Aachen geht offenbar vorbildlich mit ihren Waldgebieten um.

Das hat man dem Gemeindeforstamt jedenfalls jetzt bei der alljährlichen Zertifizierung nach den Richtlinien des sogenannten "Waldstandards 3.0" mal wieder schriftlich bestätigt.

Die Qualität der hiesigen Waldbewirtschaftung überzeugt nicht nur seit Jahren die Prüfer, sondern auch immer mehr die die Tierwelt. Biber, Wildkatzen, Kolkraben und selbst der scheue Schwarzstorch leben wieder in den Aachener Wäldern.


Hier weitere ausführliche Infos der Stadt Aachen:

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Die Zertifizierung:

Jährlich steht die Waldbewirtschaftung des Gemeindeforstamtes Aachens auf dem Prüfstand. Das achtzehnte Mal in Folge begutachtete ein unabhängiges Auditierungsbüro, in wie weit der Aachener Forstbetrieb seine Arbeit am „Waldstandard 3.0“ der Organisation Forest Stewardship Council (FSC®) ausrichtet. FSC ist eine internationale Non-Profit-Organisation, die 1993 gegründet wurde. Sowohl bei der Aktensichtung im Büro als auch bei der Waldbegehung blieben keine Fragen offen. Die Auditoren der TÜV DIN CERTO GmbH mit Sitz in Berlin waren von der Art der Waldbewirtschaftung rundum überzeugt und bescheinigten dem Gemeindeforstamt der Stadt Aachen eine fehlerfreie Arbeit. 

Die „FSC®-C116663“-Waldzertifizierung zielt darauf ab, die ökologischen, sozialen und ökonomischen Waldfunktionen zu bewahren und zu verbessern. Sie soll gewährleisten, dass die Ansprüche heutiger Generationen erfüllt werden, ohne die der kommenden Generationen zu gefährden. Letztendlich geht es um nachhaltiges Wirtschaften auf allen Ebenen. (...) Heute erstreckt sich der forstliche Nachhaltigkeitsgedanke auf sämtliche Ökosystemleistungen des Waldes: zum Beispiel auf den Erhalt und die Verbesserung der Biodiversität und des Boden- und Erosionsschutzes oder auf die Sicherung kulturhistorischer Güter, des Trinkwassers und der Erholungsqualität. Das FSC-System versucht, diese komplexen und zum Teil widersprüchlichen Interessen auszutarieren, damit die gesamtgesellschaftlichen Ansprüche an den Wald berücksichtigt werden und nicht Einzelinteressen in den Vordergrund rücken, beispielsweise eine rein wirtschaftliche oder rein ökologische Ausrichtung des Betriebs. Die Prüfung dieser komplexen Bewirtschaftungsvorgaben war Gegenstand des jüngsten FSC-Audit 2020, dessen Bericht dem Fachbereich Klima und Umwelt nun vorliegt. 


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Die Renaturierung im Münsterwald:

Eine weitere positive Rückmeldung erhielt das Gemeindeforstamt durch das Gutachten des Aachener Umweltplanungsbüros Raskin. Es bewertete Renaturierungsmaßnahmen des Gemeindeforstamtes in einem Moorgebiet im Münsterwald. Im Moor selbst sowie in dessen Umfeld wurden zahlreiche Kiefern und Fichten gefällt und bodenschonend mit einem Seilkran herausgenommen. Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass sich der Lebensraum für die dort vorkommenden und zum Teil seltenen Tier- und Pflanzenarten trotz der letzten drei Trockenjahre verbessert hat. Auch entlang von Bächen wurden im Münsterwald lebensraumfremde Bäume gefällt. Erlen, Weiden und andere Laubbaumarten geben dem Gewässer heute ein neues Erscheinungsbild und erhöhen die biologische Vielfalt auch auf lange Sicht hin. 


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Der Aachener Wald - bunter, strukturreicher und älter:

Die naturgemäße und FSC-konforme Waldbewirtschaftung zeigt Wirkung. Der Aachener Wald wird bunter, strukturreicher und älter. Dies belegen auch die regelmäßig durchgeführten Waldinventuren. „Die augenscheinliche Unordnung mag vielleicht nicht jedem Waldbesucher gefallen, die Tierwelt zeigt sich jedoch dankbar“, sagt Krämer. Mittlerweile seien Biber und Wildkatzen in die Wälder zurückgekehrt und es würden wieder vermehrt Kolkraben beobachtet. Selbst der scheue Schwarzstorch zog in den Aachener Wäldern schon seine Jungvögel auf. Ein Zeichen dafür, dass es nicht nur auf dem Papier eines Auditberichts gut läuft. Ökologie, Ökonomie und Erholungsnutzung im Aachener Wald schließen sich offenkundig nicht aus. Forstamtsleiter Krämer fragt sich: „Wäre dieses Konsensmodell nicht auch ein Ansatz für andere Wirtschaftszweige?“

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Die Bedrohung durch den Klimawandel:

Trotz dieser erfreulichen Aussichten gerät die Waldwirtschaft mehr und mehr in unruhiges Fahrwasser. Die größte Bedrohung für den Aachener Wald sieht Dr. Gerd Krämer, Leiter des städtischen Gemeindeforstamtes, im Klimawandel. „Steigende Temperaturen, eine geänderte Niederschlagsverteilung und die Zunahme von Extremwetterereignissen machen dem Wald sichtbar zu schaffen. Dies gilt je nach Standort auch für die Baumart Buche, die lange Zeit die Hoffnungsträgerin der hiesigen Forstwirtschaft war“, sagt Krämer. Er setzt langfristig – und blickt dabei über die nächsten 100 Jahre hinaus – auf eine Vielfalt von überwiegend heimischen Baumarten sowie eine „dauerwaldartige Bewirtschaftung“. In einem Dauerwald gibt es Bäume mit unterschiedlichen Höhen und unterschiedlichen Durchmessern auf ein und derselben Fläche. Hier werden (vorwiegend) die starken Bäume gefällt. In der Lücke, die der Baum hinterlässt, verjüngt sich die Natur. Der Wald befindet sich also in einer Art Fließgleichgewicht, weil junge, mittelalte und alte Bäume auf der Fläche stehen. In Bezug auf den Klimawandel ist Krämer davon überzeugt, dass zur Reduzierung der Treibhausgase mehr Holz als Baustoff eingesetzt werden soll. Holz aus nachhaltiger, regionaler Waldwirtschaft wird im Vergleich zu Stahl oder Kunststoff äußerst kohlendioxid(CO2)-arm produziert, so dass Treibhausgase gar nicht erst in die Erdatmosphäre gelangen. 


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