
Eine gemeinsame "Aachener Erklärung zu Continental" haben am Mittwochnachmittag die demokratischen Parteien in Aachen veröffentlicht.
Sie beginnt mit den Worten "Aachen ist Conti!".
Im weiteren Text wird auf die erfolgreiche und vor allem rentable Geschichte des Aachener Reifenwerks verwiesen.
Den Beschluss, das Aachener Werk zu schließen, bezeichnen die Parteien als eine "katastrophale Nachricht für die Beschäftigten und die ganze Stadt".
Konzernleitung und Aufsichtsrat der Continental AG werden noch einmal dringend dazu aufgefordert, die Schließungspläne nicht weiterzuverfolgen.
Denn das Aachener Werk sei sehr gut aufgestellt - in Bezug auf Investitionen, Neubauten und vor allem auf die Beschäftigten. Die Millionengewinne des Konzerns seien schließlich auch eine soziale Verpflichtung gegenüber der Belegschaft.
Hier die gesamte "Aachener Erklärung" im Wortlaut:
"Aachen ist Conti! Seit 89 Jahren werden am Standort Aachen Reifen produziert – dabei wurde in den letzten Jahren stets Gewinn erzielt. Selbst während der Corona-Krise hat das Werk mit einer Produktion von (auf das Jahr hochgerechnet) über 6 Millionen Reifen Profit gemacht. Die Pläne zur Standortschließung sind nicht mit der fehlenden Profitabilität zu erklären, sondern lediglich die Folge strategischer Managementfehler, da an anderen Standorten Überkapazitäten aufgebaut wurden, die nun nicht abgerufen werden.
Der Beschluss des Konzernvorstands das Aachener Werk zu schließen, ist eine katastrophale Nachricht für die Beschäftigten und die ganze Stadt. Die 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die teilweise seit mehreren Generationen mit dem Unternehmen verwurzelt sind, identifizieren sich mit Continental. Für sie und ihre Familien wäre der Verlust des Arbeitsplatzes aus heiterem Himmel und ohne jede Vorwarnung ein schwerer Schlag.
Die demokratischen Parteien in Aachen, sowie ihre Abgeordneten in den Räten, im Landtag und im Bundestag, wenden sich parteiübergreifend und gemeinsam an Konzernleitung und Aufsichtsrat der Continental AG mit der dringenden Aufforderung, die Schließungspläne für das Aachener Werk nicht weiterzuverfolgen.
Das Aachener Werk ist sehr gut aufgestellt. Vor wenigen Jahren wurden in den Aachener Standort 40 Millionen Euro investiert. Neubauten wurden errichtet, Baulücken überdacht und alte Lagerhallen mit modernster Produktionstechnologie ausgestattet. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investieren
seit 2005 in den Standort, in dem sie ohne Lohnausgleich jede Woche Überstunden leisten. Dies hat der Continental AG Millionengewinne ermöglicht, bedeutet aber auch eine soziale Verpflichtung gegenüber den Beschäftigten. Sollte ein profitables Werk, in dem die Beschäftigten gegenüber dem Arbeitgeber seit Jahren in Vorleistung gegangen sind, nun einfach geschlossen werden, stellt dies die Grundlagen der etablierten Sozialpartnerschaft in Frage.
Wir appellieren an Sie, die Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates: Aachen und die Continental AG brauchen diese Arbeitsplätze. Der Aachener Standort darf nicht geschlossen werden. Wenn die Politik dazu beitragen kann, Lösungen zu finden stehen wir jederzeit für Gespräche zur Verfügung.
Sollte die Wirtschaftskrise, die ohne Frage die Automobilindustrie vor große Herausforderungen stellt, nun als Scheinargument genutzt werden, um einen profitablen Standort zu liquidieren, so stellt dies nicht nur die Sozialpartnerschaft zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberseite in Frage, sondern ebenfalls die Vertrauensbasis zwischen Politik und Teilen der Industrie. Gerade in Zeiten, in denen mit Milliardensummen Rettungspakete für die Industrie auf den Weg gebracht wurden, ist diese Entscheidung nicht nachvollziehbar. Die Schließung des Aachener Werkes würde einen Präzedenzfall bedeuten und einen Vertrauensverlust weit über Aachen hinaus. Wir fordern Sie auf, diesen Schritt ernsthaft zu überdenken und die Planungen zu ändern."
- Matthias Achilles, Fraktion Piraten im Rat der Stadt Aachen
- Christoph Allemand, Fraktion UWG im Rat der Stadt Aachen
- Harald Baal, Vorsitzender CDU-Fraktion im Rat der Stadt Aachen
- Holger Brantin, Vorsitzender CDU Aachen
- Sebastian Breuer, Bündnis 90/Die Grünen, Ortsverband Aachen
- Larissa Böhrkircher, Volt Aachen
- Leo Deumens, Fraktion Die Linke im Rat der Stadt Aachen
- Mathias Dopatka, SPD-Unterbezirk Aachen-Stadt
- FDP Kreisverband Aachen-Land
- FDP Kreisverband Aachen-Stadt
- FDP-Fraktion in der Städteregion Aachen
- FDP-Fraktion im Rat der Stadt Aachen
- Daniel Freund, Mitglied des Europäischen Parlaments (Bündnis 90/Die Grünen)
- Ulla Griepentrog, Bündnis 90/Die Grünen, Ortsverband Aachen
- Dr. Tim Grüttemeier, Städteregionsrat (CDU)
- Rudolf Henke, Mitglied des Deutschen Bundestages (CDU)
- Andrej Hunko, Mitglied des Deutschen Bundestages (Die Linke)
- Stefan Kämmerling, Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen (SPD)
- Sibylle Keupen, Fraktion Die GRÜNEN im Rat der Stadt Aachen
- Werner Krickel, Fraktion Die GRÜNEN in der StädteRegion Aachen
- Oliver Krischer, Mitglied des Deutschen Bundestages (Bündnis 90/Die Grünen)
- Tobias Molitor, Die Partei Aachen
- Claudia Moll, Mitglied des Deutschen Bundestages (SPD)
- Gisela Nacken, Bündnis 90/ Die Grünen, Kreisverband Aachen
- Kaj Neumann, Fraktion Die GRÜNEN im Rat der Stadt Aachen
- Martin Peters, SPD-Unterbezirk in der StädteRegion Aachen
- und SPD-Fraktion in der StädteRegion Aachen
- Marcel Philipp, Oberbürgermeister der Stadt Aachen (CDU)
- Dr. Werner Pfeil, Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen (FDP)
- Tobias Schindler, City Lead Volt Aachen
- Ulla Schmidt, Mitglied des Deutschen Bundestages (SPD)
- Hendrik Schmitz, Vorsitzender CDU Aachen-Land und
- Mitglied des Landtags Nordrhein-Westfalen
- Karl Schultheis, Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen (SPD)
- Martin Schulz, Mitglied des Deutschen Bundestages (SPD)
- Michael Servos, SPD-Fraktion im Rat der Stadt Aachen
- Alexander Tietz-Latza, Bündnis 90/ Die Grünen, Kreisverband Aachen
- Ulla Thönnissen, Vorsitzende der CDU-Fraktion in der StädteRegion Aachen
- Ingrid von Morandell, Fraktion Die GRÜNEN in der StädteRegion Aachen
- Eva-Maria Voigt-Küppers, Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen (SPD)
- Sabine Verheyen, Mitglied des Europäischen Parlaments (CDU)
- Katharina Willkomm, Mitglied des Deutschen Bundestages (FDP)