
Aachen sucht dringend mehr Unterkünfte für Flüchtlinge
Veröffentlicht: Freitag, 18.03.2022 14:38
„Wir möchten für alle Geflüchteten ein sicherer Hafen sein und werden niemanden fortschicken“, sagt Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen. Dennoch ist die Unterbringungslage angespannt - für die kommenden Wochen und Monate werden Unterbringungsmöglichkeiten für insgesamt 5.000 Menschen gesucht.
Seit Kriegsbeginn haben sich bisher schon rund 1.300 Flüchtlinge aus der Ukraine, vor allem Frauen und Kinder, bei der Stadt gemeldet. In städtischen Noteinrichtungen, Hotels sowie den Turnhallen Reumontstraße und Peliserkerstraße sind inzwischen weit über 700 Leute untergebracht worden. Aktuell werden die Turnhallen Vetschauer Weg und Königsstraße belegt und gleichzeitig die Turnhallen Bergstraße und Haarbachtalstraße auf die Ankunft weiterer Geflüchteter vorbereitet.
Anfang nächster Woche steht eine Zuweisung des Landes NRW bevor, darüber hinaus kommen pro Woche rund 25 Flüchtlinge aus verschiedenen Drittländern, vor allem aus Syrien, dem Iran und Nordafrika, in die Stadt.
Der für die Organisation rund um die Hilfeleistungen für Geflüchtete eingerichtete Krisenstab unter Leitung der Oberbürgermeisterin tagt inzwischen täglich - vor allem um Unterkünfte für die Flüchtlinge zu akquirieren - Immobilien zum Beispiel, die schnell verfügbar sind und eine hohe Belegbarkeit haben. Gleiches gilt für Lagerkapazitäten. Aber auch Flächen für ein Ankunftszentrum mit rund 500 Plätzen zur Erstaufnahme und kurzfristigen Entlastung sind in der Überlegung. Zurzeit prüft eine TaskForce entsprechende Gebäude und Flächen im Stadtgebiet.
Keupen hat zu Beginn der Woche ukrainische Flüchtlinge besucht, die in einer städtischen Turnhalle untergebracht sind. Diese persönlichen Gespräche seien absolut beeindruckend und berührend gewesen, so die Oberbürgermeisterin: „Ein Leben in der Turnhalle ist kein Leben auf Dauer. Vor allem nicht für die Mütter und die Kinder, die zurzeit in den Turnhallen leben. Wir müssen so schnell wie möglich freien Wohnraum finden.“ Nach wie vor bittet sie daher inständig alle Eigentümer in der Stadt, freien Wohnraum zu melden. Jede Wohnung zähle. Um Mütter und Kinder vom Alltag in den Turnhallen zu entlasten, zu unterstützen und betreuen, bietet das Helene-Weber-Haus ab sofort in allen Turnhallen Mutter-Kind-Gruppe an.
Vom ersten Tag der Flüchtlingswelle an steht die Verwaltung in engem Austausch mit der ukrainischen Community in Aachen, mit privaten und bürgerschaftlichen Initiativen, mit Studierenden, Hochschulangehörigen und Bürgern, die sich engagieren. Viele unterstützen ihre Freunde und Angehörigen aus der Ukraine, stellen Zimmer zur Verfügung, holen Flüchtende an den Grenzen ab oder bringen Hilfsgüter in die Ukraine. Die Hilfsbereitschaft der Aachener ist riesig – um sie zu bündeln und zentrieren soll kurzfristig eine zentrale Anlaufstelle für ehrenamtliches Engagement eingerichtet werden.
Die kommunalen Integrationsmanager der Stadt Aachen stehen jeder geflüchteten Person zur Seite, aber auch denjenigen, die als private Gastgeber Geflüchtete aufnehmen. Inhalte der Beratung und Hilfe sind unter anderem Wohnen, finanzielle Unterstützung, Gesundheit, Sprache, Kita- und Schulplätze. Alle Gespräche bleiben vertraulich und das Angebot ist kostenfrei. Zu erreichen sind die kommunalen Integrationsmanager*innen per Telefon unter 432-56640 oder per Mail an integration_kim@mail.aachen.de
Wer in dieser Krise helfen möchte, kann sich auf der Seite aachen.de/aachenhilft informieren. Auf dieser Seite finden sich unter anderem Antworten auf die häufigsten Fragen von Hilfswilligen oder Helfenden, Spendenmöglichkeiten und mehr.
Eigentümer*innen, die Wohnraum zur Verfügung stellen möchten, können die Stadt per Mail an helfen@mail.aachen.de erreichen.
