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Aachen: Neues Stück vom Paubachkanal der Karolinger entdeckt
© Stadt Aachen/Andreas Schaub
Die freigelegte Rinne des frühmittelalterlichen Paubachkanals, der jetzt bei Bauarbeiten in der Stromgasse entdeckt worden ist.
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Aachen: Neues Stück vom Paubachkanal der Karolinger entdeckt

Veröffentlicht: Donnerstag, 07.09.2023 09:06

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In Aachen ist bei Kanalsanierungen in der Stromgasse ein Kanalsystem der Karolinger aus dem frühen Mittelalter entdeckt worden.

Laut der Stadt Aachen handelt es sich um den Paubachkanal, der früher die Aachener Pfalz mit Wasser versorgt hat.

Die kanalisierte und aus ihrem ursprünglichen Bett umgeleitete Pau ist zwischen 1880 und 1900 in ein unterirdisches Rohrsystem verlegt worden, davor floss sie am mittleren Boxgraben in die alte Stadt herein.

Laut dem Stadtarchäologen Andreas Schaub ist nur mit diesem Kanal die Lage des früheren Rostors nahe dem heutigen Hubertusplatz zu erklären. Das Rostor war ein Durchgang durch die jüngere mittelalterliche Stadtmauer ohne nennenswerte Wegeführung.

Dass die Um- bzw. Ableitung der Pau vom ursprünglichen Verlauf, der heute als Paunelle bezeichnet wird, im frühen Mittelalter passiert ist, hat man erst 2008 herausgefunden - durch die archäologische Begleitung der umfassenden Kanal- und Leitungsbauarbeiten im Bereich Boxgraben/Einmündung Weberstraße und in der Mariabrunnstraße.

Jetzt hat man bei den Kanalarbeiten der Regionetz in der Stromgasse weitere Abschnitte "dieses herausragenden Denkmals" angetroffen. Damit sind auch Vermutungen der Experten bestätigt worden, die darauf zurückgingen, dass schon 1905 vor dem Haus Stromgasse 41 ein kurzes Kanalstück angetroffen wurde, das man damals aber noch nicht einordnen konnte.

Die naturwissenschaftliche Datierung der Entstehungszeit dieses Aquädukts zwischen den Jahren 661 und 772 AD lasse vermuten, dass nicht erst Karl der Große, sondern vermutlich sein Vater Pippin der Jüngere (714-768) für seinen Bau verantwortlich zeichnete, heißt es. „Es handelte sich um eine grundlegende infrastrukturelle Maßnahme, deren Erfolg maßgeblich zur Funktionsbereitschaft der Pfalz beizutragen hat – und das schon seit den ersten Tagen ihrer Existenz“, betont Schaub.

Derzeit arbeiten das beauftragte Archäologie-Unternehmen im engen Schulterschluss mit der Stadtarchäologie und die Regionetz intensiv an einer Lösung, um sowohl den Erhalt des Bodendenkmals als auch den zügigen Fortgang der Kanalbauarbeiten zu gewährleisten. Die archäologische Dokumentation liegt schon in den letzten Zügen. Danach kann der Bereich von der Baufirma wieder verfüllt werden. Die Zufahrt zu den privaten Garagen wird nach Angaben der Regionetz bis spätestens 8. September wieder frei gegeben.



(Foto oben: Die freigelegte Rinne des frühmittelalterlichen Paubachkanals, der nun bei Bauarbeiten in der Stromgasse entdeckt worden ist.)



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