
A544: Handwerk befürchtet gravierende Auswirkungen
Veröffentlicht: Dienstag, 14.02.2023 10:33
(Update)
Die vorgesehene Sperrung der Aachener Stadtautobahn A544 für den Neubau der Haarbachtalbrücke wird gravierende Auswirkungen auf das Handwerk und dessen Geschäftsentwicklung haben.
Das sagen die Aachener Handwerkskammer und die hiesige Kreishandwerkerschaft, die zu dem Thema jetzt eine repräsentative Studie haben durchführen lassen.
Demnach befürchten 51,5 Prozent der Befragten sehr starke oder starke Beeinträchtigungen. Nur 23,5 Prozent sehen in der mindestens zweijährigen Sperrung gar kein Problem für ihren Betrieb.
„Nach der Flutkatastrophe 2021, der Coronapandemie und der Energiekrise erwartet die Unternehmen nun ein Verkehrsinfarkt in Aachen. Das sind vier Krisen in drei Jahren“, sagt Handwerkskammer-Präsident Marco Herwartz und zeigt sich über die Konsequenzen besorgt: „Erste Betriebe haben bereits angekündigt, während der Bauphase keine Aufträge in Aachen anzunehmen, und zahlreiche weitere werden die längeren Anfahrtszeiten ihren Kunden in Rechnung stellen müssen. Einzelne Handwerker denken sogar über eine Standortverlagerung nach.“
Um den erwarteten Staus zu entgehen, planten die Betriebe darüber hinaus den Arbeitsbeginn so weit wie möglich in die Morgenstunden zu verlegen und durch die Einführung einer 4-Tage-Woche die Anfahrtsfrequenzen der Baustellen und Werkstätten zu reduzieren.
„Die Autobahnsperrung kann die Aachener Wirtschaft ernsthaft bedrohen. Umso wichtiger ist es nun, mit weitreichenden und intelligent geplanten Maßnahmen das prognostizierte Verkehrschaos in und um Aachen zu verhindern“, betont Yannic Schmitt, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Aachen. Hierzu gehören nach Überzeugung der Studienteilnehmer eine frühzeitige und verständliche Ausschilderung der Umleitungsstrecken auch in relevanten Fremdsprachen, eine progressive Ampelschaltung für eine grüne Welle sowie der Stopp oder die Verschiebung aller nicht dringend notwendigen Baumaßnahmen entlang der Umleitungsstrecken.
„Außerdem muss alles unternommen werden, um Baustellen wie an der Turmstraße in Aachen bis zur Sperrung der A544 fertigzustellen“, so Schmitt weiter.
Die wichtigste Forderung der Handwerksbetriebe ist, dass die A544-Abfahrt Würselen offengehalten oder von der A4 bzw. A44 eine Baustellenausfahrt zum Gewerbegebiet geschaffen wird. „Und vor allem muss der Neubau der Haarbachtalbrücke so schnell wie möglich abgeschlossen werden. Dafür ist das Arbeiten an der Brücke in einem 3-Schicht-System unerlässlich, wie es beispielsweise in den Niederlanden bei wichtigen Bauprojekten oftmals der Fall ist. Die Mehrkosten für die Nacht- und Wochenendzuschläge werden durch die schnellere Wiederaufnahme des Regelbetriebs gesamtvolkswirtschaftlich mehr als kompensiert“, so Herwartz. Das Bauhandwerk stehe dafür zur Verfügung. Zudem sprechen sich viele Befragte dafür aus, die A544 wechselseitig zumindest stadteinwärts zu erhalten. Dies würde speziell den Berufsverkehr am Morgen mit seinen Stoßzeiten entlasten.
Gefragt nach den geplanten Umleitungsstrecken favorisieren 53 Prozent die Nutzung der Abfahrt Broichweiden (A44) und die Weiterfahrt über die Landstraße. 47 Prozent wollen die Abfahrt Laurensberg (A4) und dann die Kohlscheider Straße nutzen. Etwa 41 Prozent planen in Lichtenbusch von der A44 ab- bzw. aufzufahren und als Zubringer die Monschauer Straße zu nutzen. Etwa 14 Prozent wollen andere „Schleichwege“ in Anspruch nehmen. Dabei war eine Mehrfachnennung möglich.
Um die heutigen Erwartungen mit den Realitäten nach der A544-Sperrung abzugleichen, werden Handwerkskammer und Kreishandwerkerschaft die Umfrage zu gegebener Zeit wiederholen und die Auswirkungen auf die Fahrtzeiten der Montagefahrzeuge untersuchen. Laut aktueller Umfrage sind diese bei gut 19 Prozent 15 bis 29 Minuten, bei 21 Prozent der Befragten 30 bis 44 Minuten pro Tag auf der Straße und bei gut 21 Prozent 45 bis 90 Minuten. Bei rund 16 Prozent sind es bereits heute mehr als 90 Minuten.
„Die Ergebnisse und die Sorgen der Handwerksbetriebe sprechen eine deutliche Sprache: So ein Verkehrsdesaster darf sich nicht wiederholen“, unterstreicht Herwartz. Vor diesem Hintergrund appellieren die Handwerkskammer Aachen und die Kreishandwerkerschaft Aachen stellvertretend für viele Betroffene an die politischen Entscheidungsträger, Planungskapazitäten und Geld zur Verfügung zu stellen, um die kritische Infrastruktur zu erhalten. „Straßen werden auch im CO2-freien Zeitalter die Schlagadern unserer Wirtschaft sein. Das sollte die Politik in ihren Entscheidungen stets berücksichtigen und bei Ausschreibungen noch mehr Augenmerk auf Effizienz und Geschwindigkeit als auf den Preis richten“, so Herwartz abschließend.




