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5. Jahrestag des Hochwassers von 2021
So sah es beim Hochwasser 2021 in Eschweiler aus
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5. Jahrestag des Hochwassers von 2021

Am 14./15. Juli 2026 ist das verheerende Hochwasser in unserer Region genau fünf Jahre her.

Wir schauen auf die Lage in den betroffenen Kommunen.

Veröffentlicht: Dienstag, 14.07.2026 09:34

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STOLBERG

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DAMALS:

Die Schäden an der öffentlichen Infrastruktur und an kommunalen Gebäuden wurden offiziell auf rund 353 Millionen Euro geschätzt.

Weil der Vichtbach und die Inde massiv über die Ufer traten, standen fast die gesamte tiefgelegene Stolberger Innenstadt und auch die komplette Talachse von Zweifall über Vicht bis in die Atsch meterhoch unter Wasser.

Rund 13 Kilometer Straßen, 13 Kilometer Straßenausstattung (wie Haltestellen und Schilder) und 10 Kilometer Forstwege wurden auf 73 Straßenzügen schwer beschädigt. Besonders schwer traf es den Europatunnel. Dazu wurden viele Brücken im Stadtgebiet und auch Bahntrassen teilweise komplett zerstört oder unterspült.

In der Folgen haben großflächige, tagelange Strom- und Kommunikationsausfälle das öffentliche Leben und die Rettungsarbeiten zum Teil lahmgelegt.

Das historische Rathaus stand unter Wasser. Das im Keller untergebrachte Stadtarchiv wurde überflutet; über 400 Paletten mit teils jahrhundertealten historischen Dokumenten und Bauakten mussten in einer jahrelangen Prozedur schockgefroren und aufwendig restauriert werden.

Mehrere Kitas (wie z.B. die Kita Steinweg) und Schulen im Stadtgebiet wurden entkernt, weil die Flut Möbel, Spielzeug und die gesamte Einrichtung komplett zerstört hat.

Außerdem wurden tausende Wohnhäuser massiv beschädigt. Laut einer Umfrage des Sozialteams Stolberg haben damals knapp 78 % der Anwohner gesagt, dass ihre Wohnung direkt von den Flutschäden betroffen war.

Auch fast alle Geschäfte, Gastronomiebetriebe, Arztpraxen und Bankfilialen in den betroffenen Straßenzügen verloren ihre Existenzgrundlage und mussten monatelang entkernt, getrocknet und saniert werden.

Neben den immensen materiellen Verlusten hinterließ das Hochwasser verständlicherweise tiefe Spuren bei der Bevölkerung. Über die Hälfte der Betroffenen klagte in Befragungen über anhaltende psychische und physische Beschwerden wie Angstzustände, Schlafstörungen, Flashbacks und extreme Erschöpfung.

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5. Jahrestag des Hochwassers von 2021
© Antenne AC
Verwüstung in Stolberg damals eine Woche nach dem Hochwasser vom Juli 2021.
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WIEDERAUFBAU:

Gerade zu Beginn der Wiederaufbauphase hat man viele Brücken schon wiederherstellen können - ebenso die durch die Flut in den betroffenen Ortsteilen Vicht, Zweifall und Unterstolberg zerstörte Straßeninfrastruktur. Hervorzuheben ist außerdem der schon fertiggestellte Steinweg.

In diesem Jahr 2026 werden voraussichtlich auch noch das Historische Rathaus und die neue hochwasserresiliente Kindertagesstätte in Vicht fertig.

Grundsätzlich achtet man beim Wiederaufbau aller städtischen Liegenschaften der kritischen Infrastruktur darauf, dass sie so wieder aufgebaut werden, dass ein Hochwasserereignis wie 2021 möglichst schadenfrei überstanden werden kann. Dazu gehören beispielsweise größere Abstände zu fließenden Gewässern, höhere Einstiegshöhen von Eingängen und Fenstern oder mobile Flutbarrieren. Darüber hinaus spielen Retentionsflächen und das Schwammstadtprinzip eine wichtige Rolle. Als Grundlage für die Maßnahmen dienen hydraulische Modellrechnungen der Gewässer.

AUSBLICK:

Mit der Sanierung im Kulturzentrum Frankental und dem Neubau des vom Hochwasser stark betroffenen und inzwischen abgebrochenen Rathauses als Verwaltungsstandort hat Stolberg noch zwei sehr komplexe Großprojekte vor der Brust.

Der Rathausneubau ist dabei eine der größten Einzelmaßnahmen des Wiederaufbaus in Nordrhein-Westfalen Westfalen und erfolgt auf Basis einer besonders nachhaltigen und vor allem hochwasserresilienten Planung. Auf der Fläche läuft momentan das von Kupfer Events organisierte Format „Mein Sommer in Stolberg“.

Auch die vom WVER (Wasserverband Eifel-Rur) und der WAG (Wassergewinnungs- und -aufbereitungsgesellschaft Nordeifel) geplanten Projekte der Regenrückhaltebecken und der "Weheüberleitung" haben eine herausgehobene Bedeutung für Stolberg.

Die Flutschadenbeseitigung über die Wiederaufbauhilfen ist ein umfangreicher Prozess, der maßgeblich von der städtsichen Wiederaufbaugesellschaft betreut wird. Die Gründung der Kupferstädter Bau- und Projektmanagement GmbH als städtische Tochter in 2023 bezeichnet die Stadt als "echten Meilenstein".

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ESCHWEILER

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DAMALS:

Die gesamte Innenstadt in den tiefen Lagen stand seinerzeit komplett unter Wasser. Über 13.000 Einwohner waren direkt von den Überflutungen betroffen. Tausende private Häuser, Keller und Wohnungen wurden überschwemmt und teilweise unbewohnbar gemacht.

Das St. Antonius Hospital wurde massiv im Untergeschoss (darunter die Radiologie) getroffen und musste komplett geräumt werden. Rund 400 Patientinnen und Patienten mussten mitten in der Krise in andere Kliniken verlegt werden. Allein am Krankenhaus entstand ein Sachschaden von rund 120 Millionen Euro.

Dann sind rund 40 öffentliche Gebäude (darunter Schulen, Kitas und Verwaltungsgebäude) schwer beschädigt oder vollständig zerstört worden. Der Anteil an zerstörten Hochbauten war im Vergleich zu anderen Flutregionen extrem hoch.

Wie auch anderswo wurden Straßen, Brücken, Kanäle und Grünanlagen unterspült und zerstört. Großflächige, tagelange Strom- und Infrastaturausfälle waren die Folge. Auch in Eschweiler haben viele Betriebe, Industrieunternehmen, Einzelhändler und Gastronomen ihre Existenzgrundlage, Warenbestände und Maschinen verloren.

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5. Jahrestag des Hochwassers von 2021
© Stadt Eschweiler
Ein Blick in die Willi-Fährmann-Schule in Eschweiler nach dem Hochwasser.
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WIEDERAUFBAU:

Der ursprüngliche Wiederaufbauplan der Stadt von 161,5 Millionen Euro (das ist die Summe aller Schäden an städtischen Liegenschaften) wurde fortgeschrieben/angepasst auf inzwischen (laut Ratsbeschluss) 223 Miillionen Euro.

Die Stadt ist laut eigener Einschätzung prinzipiell beim Wiederaufbau sehr gut vorangekommen. Die letzte notwendige Tiefbaumaßnahme (Fahrradbrücke Weisweiler) wurde im April 2026 vollzogen, damit waren die Tiefbauschäden abgearbeitet.

Die Realschule Patternhof ist wiederhergestellt, da sind Lehrer und Schüler schon wieder eingezogen, aktuell müssen nur noch Restarbeiten erledigt werden. Die Schule war zwei Jahre lang in Würselen untergebracht.

Auch mit Grundschule und Kindergarten Weisweiler ist man fertig.

Das jüngste beendete Wiederaufbau-Projekt war die Sanierung der evangelischen Grundschule Stadtmitte, die schwer betroffen war. Sie wird jetzt pünktlich zum Jahrestag fertig. Sie gehört ja zum Schulzentrum Stadtmitte - und die zweite Komponente, die Adam-Ries-Hauptschule, ist auch jetzt fertig.

Hinzu kommt das St. Antonius-Hospital, das selber seine Schäden mit viel Geld aus Bund- und Landesmitteln behoben hat.

AUSBLICK:

Aktuell stehen in Eschweiler noch zwei große Hochbauprojekte an. Es sind die größten, die auch am längsten dauern - beide Gebäude müssen abgerissen und neugebaut werden:

Die Willi-Fährmann-Schule: Hier ist der Altbau schon abgerissen worden, voraussichtlich nächstes Jahr beginnt der Neubau, der bis Ende 2028 fertig werden soll. Aktuell ist die Schule noch in Containern auf dem Gelände des alten Indestadions untergebracht.

Das größte Hochbauprojekt beim Wiederaufbau ist das Sportzentrum mit Schwimmbad und Sporthalle in der Jahnstraße. Da hat man noch nichts abgerissen, weil der Bau ganz tief liegt. Denn es besteht die Gefahr, dass - wenn der Abriss zu lange unbewegt - eine Absackung geschieht. Deswegen will man den Abriss erst kurz vorm Neubau durchführen. Ziel: Ende 2030 soll alles fertig sein.

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ROETGEN

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DAMALS:

Beim Hochwasser 2021 hatte Roetgen zwei unterschiedliche Lagen.

In der Ortschaft selbst hat der sehr starke Regen zu Überflutungen in der Fläche geführt, aber nur zu wenigen Schäden in der öffentlichen Infrastruktur (Straßen, etc.). Dutzende von Häusern und Keller sind voll Wasser gelaufen. In der Folge mussten vor allem viele Privatleute sanieren und sich für die Zukunft schützen.

Im Ortsteil Mulartshütte ist (ähnlich wie in Stolberg) der Vichtbach massiv über Ufer getreten. Das hat zu schlimmen Schäden geführt - auch Straßen, Bürgersteige und Brücke waren betroffen.

WIEDERAUFBAU:

In Mulartshütte hat die Gemeinde Roetgen recht zügig alles wieder herstellen können. Die Schäden, die vor allem private Bauten betrafen, haben viele Anwohner schon wieder instandgesetzt.

Die Brücke über die Vicht in Richtung Venwegen wurde von StraßenNRW schnell repariert.

Allerdings sieht Bürgermeister Jorma Klauss es als vertane Chance an, dass das Gewässer, das unmittelbar vor der Brücke in den Vichtbach fließt, hinter die Brücke hätte verlegt werden können. Jetzt sei es zu spät dafür...

Auch Schäden in öffentlichen Bereichen hat man schnell beheben können - nur bei den Wanderbrücken im Roetgener Wald hat man etwas länger gebraucht (sie waren aber auch nur Prioritätsstufe 2).

AUSBLICK:

Der Campingplatz ist seit dem Hochwasser noch nicht wieder in Betrieb. Das hält die Gemeinde für "bedauerlich". Wegen der sehr schönen Lage unmittelbar an der Vicht zwischen Aachen und der Eifel sei er touristisch interessant. Man hofft, dass es noch was wird dort, der Campingplatz ist in privater Hand...

Das "Alte Jägerhaus" in Mulartshütte, eins der ältesten Gebäude Roetgens, ein Fachwerk-Haus, in dem sich früher auch ein Restaurant befand, ist ebenfalls noch nicht wieder in Betrieb. Hier macht der Zustand auch aus denkmaltechnischer Sicht der Gemeinde Sorgen. Sie wünscht sich mehr Engagement des Eigentümers. Die Gemeinde würde das Denkmal gerne erhalten.

Der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) hat nach Ansicht von Bürgermeister Klauss gute Projekte in der Pipeline - insbesondere beim Bau der Rückhaltebecken zwischen Rott und Mulartshütte sowie zwischen Mulartshütte und Zweifall. Hier laufen schon vorbereitende Manahmen.

Der Roetgener Wald wird weiter entwässert von der Gemeinde, das kann allerdings Jahrzehnte dauern. Aus dem Fichtenwald soll im Endeffekt ein Mischwald werden, der mehr Wasser im Wald halten kann. Die Wasserumleitung wurde schon eingezogen.

Beim Wiederaufbau setzt Roetgen auf sein "Starkregenrisikomanagement": Die Gemeinde hat direkt nach dem Hochwasser Starkregenkarten entwickelt. Diese Karten werden berücksichtigt bei den weiteren Planungen der Roetgener Infrastruktur.

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5. Jahrestag des Hochwassers von 2021
© Straßen.NRW
Die neue Vichtbachbrücke in Roetgen-Mulartshütte im Mai 2022.
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